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Literaturforum: Karussell


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 Autor
 Thema: Karussell
mala
Mitglied

128 Forenbeiträge
seit dem 03.12.2006

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 31.03.2007 um 23:15 Uhr

Karussell
Wir Beide kennen diese Oper nicht. Wir beobachten Gondeln auf sich kräuselnden Wellen und hören zwar die Gesänge, verstehen jedoch den Text nicht. Das Orchester auf der Bühne neben uns lässt sich aus diesem Winkel nur schlecht fotografieren. Mattes Licht quetscht sich durch Wolkenrisse. Wir stehen auf und folgen den ausgetretenen Wegen.

Der weiße Pantomime maschiniert mit Seifenblasen, und still kommuniziere ich mit ihm, während du am wahren Lebensstand den Rotwein bestellst. Glaskörper wandern weiter, und es drängt mich in dieses Karussel dort vor uns. Ob ein Zusteigen noch möglich ist, frage ich, ernte ein Nicken des Chaufeurs und setze mich an den Tisch zu der Toten.

Du setzt dich neben mich, Glas an Glas sitzen wir, und das Personal reicht uns einen Becher mit Apfelessig, Ginever und fremden Kräutern gegen den Schwindel. "Weil die Fahrt links herum geht und es den Chakren wohl bekommt. Apfelessig ist auch linksdrehend", krächzt der Vogel.

An der Decke hängen noch anderen Leichen, ihre Nervenkostüme baumeln uns entgegen, dazwischen sehe ich einige nackte Putten im Flug. "Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden", erklärt uns der Rabe, und bläht sein purpurnes Samtkleid kurz auf. Er lacht dich geräuschvoll und mit verzerrtem Gesicht an oder aus, das kann ich nicht sehen. Ich lege derweil meine Hand in die offene, versteifte Hand der Frau bei mir, streichle ihr strohiges graublondes langes Haar, richte es und drappiere es über ihre Schulter. Schön ist sie, schön.

Der Rabe bringt das Karussel in Schwung und grinst verschmitzt. Auch Kinder sitzen hier, sie entlächeln etwas tröstlich Frisches, und ich nehme ihre Frische auf wie dieses linksdrehende geheimnisvolle Elexir. In voller Fahrt, die Fahrt in den Tod dauert solange wie ein Leben, gerate ich in Kontakt mit dem Widersinnlichen.

Eineinhalb Stunden lang verfliegen wir. In Erwartung auf den Empfang. Ein Mann spielt das Banjo, dazu singt eine Frau das Lied ewiger Liebe. Einige der Rondellgäste klatschen, konsumieren amüsiert.

Als wir aussteigen, sehe ich nur noch deine hellen Beine, Dein dunkles Hemd ist von der Nacht verschluckt. Du bist der Grashüpfer und ich der Nachtfalter. Bald hat die Dunkelheit dich aufgesogen. Ich laufe allein durchs stille Schwarz und fühle mich geborgen. Du wähntest dich in meiner Begleitung, zusammen waren wir nicht.


Es gibt nichts, was es nicht gäbe, und nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen.
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DataBoo
Mitglied

554 Forenbeiträge
seit dem 11.04.2007

Das ist DataBoo

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1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 15.04.2007 um 10:30 Uhr

Die morbide, düstere Atmo gefällt mir. Die Phantasie in diesem Denkfeld hat Charm. Sehr schön, mehr davon.

Am Anfang schreibst Du: Mattes Licht quetscht sich durch Wolkenrisse. Hier gefällt mir *quetscht* überhaupt nicht, vielleicht besser *zerrt*? Ach weiß ich auch nicht, ist sicherlich auch Geschmackssache.

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