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Das Leid


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Autor
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Thema: Das Leid
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Nannophilius
Mitglied
   995 Forenbeiträge seit dem 01.06.2004

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 23.11.2008 um 03:12 Uhr |
Was braucht ein Geschöpf?
Eine Schale Reis, Wasser.
Sonst fängt das Leid an.
Leide nicht bewusst, sondern freue dich! Vergeude nichts, sondern erlebe alles!
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ody
Mitglied
 6 Forenbeiträge seit dem 22.11.2008

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 24.11.2008 um 01:03 Uhr |
Diese Nachricht wurde von ody um 01:16:34 am 24.11.2008 editiert
Hi Nannophilius ...
ich hab hier einfach mal deine neun letzten Haiku bzw. Senryu versammelt ... du produzierst ja einige davon und eigentlich las ich auf der erste Seite fast nur deinen Namen.
Mich hat vor allem interessiert, ob Masse auch Klasse hat. Und das hat sie in meinen Augen nicht.
Der Gedanke hinter manchem deiner Dreizeiler ist durchaus interessant und spannend, aber die Umsetzung in Wort und Silbe ist öfter mal holprig.
Ich weiß, dass man solche Anmerkungen gerne mal mit Worten wie „dichterischer Freiheit“ abtut.
Ich aber denke, dass Wortwahl und Wortfluss einen Texte erst geschmeidig machen und auch ansehnlich und „leserlich“.
Gott würde, wenn es ihn denn gibt, beispielsweise nie jemanden „an“staunen, er würde ihn „be“staunen. Und dabei sei dahingestellt, ob das schwache Geschlecht das größte Geheimnis ist. Überhaupt sind Behauptungen im Gedicht immer mit Vorsicht zu genießen.
Weiter ist es nicht die Kälte „über“ Nacht, sonder die Kälte „der“ Nacht, wie eben auch die Hitze „des“ Tages. Ob „jeder“ dabei an den Mutterschoß denkt, sei als Behauptung ebenso dahingestellt.
Was braucht ein Geschöpf? ... Eine Schale Reis und Wasser? ... Wieder so eine Behauptung. Kein Wurm braucht Reis.
Und selbst ohne Schöpfer ist das Weltall herrlich und bewundernswert.
Gefallen hat mir dies hier:
Beim Spätherbstregen
fällt hier und dort letztes Blatt.
Wehmut, fehl am Platz!
Das ist rund ... auch wenn das „Spät“ vorm Herbstregen ein bisschen nach Silben-Aufstockung aussieht (man muss ja fünf zusammen bekommen) ... und ich hätte wohl eher in der zweiten Zeile "fallen die letzten Blätter" geschrieben (mich quält einfach der fehlende Artikel vor "letztes Blatt")
Beim folgenden irritiert mich das „schon Gedanke an Mutter“ - was genau soll das heißen? ... Schon-Kaffee kenn ich, Schon-Kost auch, aber was ist Schon-Gedanke? :-)
Was beglückt mich stets?
Schon Gedanke an Mutter!
Die Liebe schlechthin.
Ansonsten saust, tobt, stürmt, fegt deine Frau stärker als „der“ Taifun (hier ist es dann wohl die Silben-“reduktion“ auf 5 in der ersten Zeile. Aber doch bitte nicht auf Kosten des bestimmten Artikels).
Ganz schwer fällt mir der Satz: „Der erste Schnee hält den Wald von Farbenpracht ab.“
Dann doch lieber:
Der erste Schnee nimmt
dem Wald seine Farbenpracht.
Wie auch immer ... es sind nur drei Zeilen ... oder 17 Silben. Das ist wenig, und in wenigen Worten fällen Ungereimtheiten eben auch schneller auf.
Dreizeiler gehören, meiner Meinung nach, geschliffen bis zum Abwinken und einmal mehr geschliffen als so mancher Vielzeiler – ob das nun den Satzfluss, die Wortwahl und eben auch die Grammatik betrifft.
Meine Meinung ;-) ... und nicht böse gemeint.
Hier geht ´s ja um Auseinandersetzung mit anderer Leute Texten ... das hab ich gemacht ...
hoffe, du kannst was damit anfangen
beste Grüße
Ody
Die Neun waren es:
Das schwache Geschlecht
ist das größte Geheimnis,
das selbst Gott anstaunt.
Woran denkt jeder
bei der Kälte über Nacht?
An den Mutterschoß?
Was braucht ein Geschöpf?
Eine Schale Reis, Wasser.
Sonst fängt das Leid an.
Des Schöpfers Weltall
ist herrlich, bewundernswert,
falls wir zu ihm stehn.
Stärker als Taifun
saust, tobt, stürmt, fegt meine Frau,
die mich ins Lot bringt.
Der erste Schnee hält
den Wald von Farbenpracht ab.
Macht er ihn stutzig?
Geht der Herbst vorbei
an Föhren, Kiefern, Tannen?
Das Äußere täuscht.
Was beglückt mich stets?
Schon Gedanke an Mutter!
Die Liebe schlechthin.
Was beglückt mich stets?
Schon Gedanke an Mutter!
Die Liebe schlechthin.
es steht mir ins gedicht geschrieben
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HelmutMaier
Mitglied
  339 Forenbeiträge seit dem 27.10.2008

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| 2. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 24.11.2008 um 10:50 Uhr |
Hallo Ody,
Deine Kritik an den Haikus von Nannophilius ist sehr aufschlussreich, sowohl für den Umgang mit dem Siebzehnsilbenzwang, als auch für die Sprachgewandtheit, die Du fähig bist, an den Tag zu legen.
Ein kleines bisschen kommt mir der belehrende Ton etwas zu wenig behutsam und vorsichtig vor. Das hätte ich nicht gesagt, wenn mich Dein Einstandstext (das war er doch wohl?): "Die Tulpe oder Auf Ein Neues" mehr vom Hocker gerissen hätte. Er gefällt mir, zweifellos. Aber ein Ausweis, andere so dezidiert kritisieren zu können, ist er noch nicht gerade.
Liebe Grüße - auch an den Kritisierten, dem ich gutes Stehvermögen wünsche -
Helmut
Andersweltwanderer
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ody
Mitglied
 6 Forenbeiträge seit dem 22.11.2008

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| 3. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 24.11.2008 um 11:13 Uhr |
Hallo Helmut ...
ich will einfach ehrlich meine Meinung sagen ... nicht behutsam und vorsichtig.
Und ich habe nichts dagegen, wenn das auch mit meinen Texten passiert. ;-)
Außerdem geht ´s mir nie darum, jemanden runterzumachen ...
Ich denke auch nicht, dass meine Texte immer der Hit sind ... deswegen stelle ich sie ja hier ein. Damit ich andere Meinungen dazu höre.
Und wenn ich mich kritisch mit anderen Texten befasse, bedeutet da ja noch lange nicht, dass ich es selbst 100%ig beherrsche.
Kaum ein Kritiker beherrscht selbst das, was er da kritisiert ;-))
Beste Grüße
Ody
es steht mir ins gedicht geschrieben
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ody
Mitglied
 6 Forenbeiträge seit dem 22.11.2008

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| 4. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 25.11.2008 um 18:08 Uhr |
... und trotzdem ... und auch mit etwas Abstand ... bin ich wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen.
Sorry.
Ody
es steht mir ins gedicht geschrieben
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