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 Thema: Zwischen Folter und Freiheit
1943Karl
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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 27.02.2011 um 14:08 Uhr

Ranjith Henayaka
Mit dem Wind fliehen

Die meisten Bürger der Bundesrepublik Deutschland meinen in einem Staat zu leben, der Menschenwürde und die Menschenrechte besonders achtet. Wer allerdings den Roman des Tamilen Ranjitth Henayaka liest, in dem er die gesellschaftlichen Verhältnisse des Inselstaates Sri Lanka vor der Südspitze Indiens mit denen im Herzen Europas vergleicht, dem fallen durchaus gewisse Ähnlichkeiten auf, die ein hier lebender Normalbürger nicht in seinem Staat vermuten würde.
In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kämpfen in Sri Lanka tamilische Guerillagruppen für einen unabhängigen Staat. Doch diese Gruppierungen rivalisieren zum Teil untereinander und schrecken keineswegs vor bestialischen Greueltaten zurück. Nicht wenige der Aufständischen geraten dabei zwischen die Fronten. So auch der junge Freiheitskämpfer Nathan. Er wird nicht nur von gnadenlosen Gewalttätern brutal gefoltert sondern schließlich ständig von seinen Gegnern verfolgt, die ihm nach dem Leben trachten. Da ihm in dem Inselstaat kein Ausweg bleibt, beschließt er nach Deutschland zu fliehen. Über einige Umwege - unter anderem auch durch die damalige DDR- gelingt ihm die Flucht in die Bundesrepublik. Den dortigen Ausländer-Behördendschungel, in dem er sich nur unter großen Mühen zurecht findet, erlebt er als äußerst schikanös. Seine Erwartungen an einen europäisch-demokratischen Staat werden so vielfach enttäuscht.
Es vergehen Jahre, bis endlich seine Frau Kamala und seine kleine Tochter Mira, die unter den unüberschaubaren und gewalttätigen Verhältnissen in Sri Lanka leiden, nach entbehrungs- und qualvoller Flucht Deutschland erreichen. Kamala wird sowohl in Sri Lanka von einem gegnerischen Kämpfer als auch auf der Flucht von Schleppern vergewaltigt.
Trotz aller grausamen Erfahrungen genießt die kleine Familie überglücklich, in München wieder vereint zu sein. Doch selbst hier werden ihre Hoffnungen auf ein friedliches, freies und menschenwürdiges Leben enttäuscht. Neonazis bedrohen die Flüchtlingsfamilie und greifen gewaltsam in ihr Leben ein. Sie stecken ein Flüchtlingswohnheim in Brand. Und nicht nur dabei verlieren Nathan, Kamala und Mira wie in ihrem einstigen Heimatland auch in Deutschland, in dem sie Sicherheit zu finden glaubten, Landsleute, Freunde und Bekannte durch unmenschliche Gräueltaten.
Der Autor Ranjith Heneyaka, selbst 1951 in Sri Lanka geboren, dort politisch aktiv und wegen der Teilnahme am Jugendaufstand 1971 mehrere Jahre im Gefängnis, emigrierte 1980 nach Deutschland. Er kennt das Leben und Leiden seiner Romanfiguren aus eigenem schmerzlichen Erleben. Heneyaka lässt seine Leser eine eher verborgene und verdrängte Realität entdecken und nacherleben, die viele allenfalls aus Statistiken und aus den Medien erfahren. Bei ihm spürt der Leser nahezu unmittelbar, was es bedeutet, um Leib, Leben und die eigene menschliche Würde fürchten zu müssen. Somit verdient es sein beeindruckender Roman, ein beachtenswerter Beitrag zur Diskussion über Migration, Fremdenfeindlichkeit und Integration in Deutschland zu werden.

Ranjiith Henayaka, Mit dem Wind fliehen, Roman aus Sri Lanka, Horlemann Verlag, Bad Honnef, 2010, 319 Seiten, gebunden, € 19,90


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