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Literaturforum: Er war als Knabe einmal schon im Himmel


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Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Er war als Knabe einmal schon im Himmel
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 Thema: Er war als Knabe einmal schon im Himmel
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 01.08.2021 um 01:25 Uhr

Nicht die Quantität macht einen Dichter unsterblich, es ist die Qualität seiner Worte.
Else Lasker-Schüler (1869-1945) ist für mich ein außerordentlicher Spezialfall; ich habe früher lange gesucht, aber es sind tatsächlich nur insgesamt vier Zeilen ihres Werkes, die mich berühren und die ich mir gemerkt habe – diese aber wiegen so schwer wie ein vollständiges Universum, sie rechtfertigen Briefmarken, die ihr zum Gedenken produziert, den ICE und Straßen / Schulen, die ihr zu Ehren benannt worden sind, allemal. Es handelt sich um die Eingangszeilen ihres Georg Trakl gewidmeten Gedichtes, die wie folgt lauten:

Zitat:

Seine Augen standen ganz fern –
Er war als Knabe einmal schon im Himmel.

Darum kamen seine Worte hervor
Auf blauen und weißen Wolken.

Danach flacht das Gedicht dramatisch ab. Ich bin Ästhet, kein Barbar, aber man kann den Rest getrost verlustfrei bzw. sogar gewinnbringend ab-schneiden. Meinetwegen “fein säuberlich”.

“Seine Augen standen ganz fern”: Der Dichter, der auf der Erde nur halb zu Hause ist. Sein Blick geht in andere Welten; als Mensch ist er schwer zu fassen. Er ist vermählt mit seinen Worten, seinen Empfindungen und Einbildungen.

“Er war als Knabe einmal schon im Himmel.”: Ein Rätsel? – oder ein unbekanntes biographisches Detail? Wer selbst eine Nahtoderfahrung gemacht hat, wird hier genau hinlauschen. Auf jeden Fall eine Vorzeichnung, ein Los, das im frühen Alter schon zugeteilt wurde. Der Himmel, wenn er bei Trakl tatsächlich im Spiel war, schien ungeduldig, bestand wie die Eltern auf erneuten und baldigen Besuch …

“Darum kamen seine Worte hervor”: Das Rätsel bleibt ungelöst, ist aber Ursache einer besonderen Beziehung zur Sprache. Trakls Worte wurden nach der Deutung von Lasker-Schüler nicht aktiv aneinander gefügt, sie “kamen hervor” – wie durch einen Mechanismus, der nicht rein weltlich erklärt werden kann.

”Auf blauen und weißen Wolken”: Ein nur scheinbar simples Bild; Worte aus dem Himmel, die von übernatürlichen (zuerst!) und natürlichen Kräften getragen werden; praktisch die Krönung der ganzen Figur, welche die vorangegangenen drei Zeilen auf eine künstlerische Ebene heben. Blaue und weiße Wolken – mit ihnen können sich die Gedanken des Lesers noch lange beschäftigen. Blaue und weiße Wolken! Das ist doch klar: Man muss schon Georg Trakl sein, um mit blauen Wolken in Verbindung zu stehen und ihnen Worte zu entlocken, die an ihrer Kraft nichts einbüßen und für immer ihre Singularität behaupten werden.

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> Neue Gedichte: fahnenrost
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> New Eastern Europe
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