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Als das Licht ausging
Autor: Boris Boekhoff · Rubrik:
Kurzgeschichten

Am 15. November 2005 gab es in der suedenglischen Stadt Bournemouth in der Grafschaft Dorset einen Stromausfall, der den Grossteil der Stadt betraf. Einige Stadtteile blieben ueber zwoelf Stunden ohne Strom, weil im Stadtteil ´Wallisdown´ mehere Autos brannten und die dadurch entstandene Hitze die darueber liegenden Ueberlandkabel durchtrennte. Ich war zu dieser Zeit dort Medienstudent am College und dachte folgendes:

Dienstag. Eine leichte Brise zieht von der See her ueber die Stadt und legt einen grauen, diesegen Schleier ueber die Haeuser. Als ich erwache sehe ich nichts weiter als einen grauen diffusen Lichtschein durch mein Veluxfenster scheinen. Die Fenster sind so dreckig, dass sie jeden Morgen, wenn sie mit Tau ueberzogen sind, keinen Durchblick gewaehren.
Ich dusche. Heiss. Warm. Lau. Immer kaelter. Jemand duscht im Stockwerk unter mir, und ich bekomme wiedermal kein Wasser, weil der Druck nicht ausreicht. Also setzte ich mich hin, triefnass und warte, bis das Wasser wieder anspringt. Waehrenddessen mache ich mir Gedanken ueber den Film. Heute nachmittag laeuft die Deadline aus. Vier Stunden, um den ganzen Film zu schneiden. Das wird sehr knapp werden. Was ist mit dem Voice-Over? Sollten wir die komplette Audio-datein einarbeiten? Nein, das wuerde zu lang werden. Was ist mit ´ner Schlussszene? Haben wir ueberhaupt eine? Muessen wir die ueberhaupt noch drehen? Und wenn ja, wann? Ach, das kann man aus anderen Szenen zusammenschneiden...aber reicht die Zeit? Mein Gott! Wieso muss immer alles unter Druck laufen...WUSCH! Und in diesem Moment wird mein Gedankenstrom unterbrochen von einem eiskalten Wasserstrahl, der auf mich niederhagelt. Die Kaelte raubt mir den Atem und ich springe auf und stelle das Wasser waermer. Der Druck ist wieder da...
Ich komme gerade rechtzeitig. Neun Uhr. Die anderen sind schon da, wir koennen weitermachen. Immerhin noch dreiviertel des Films zu schneiden und noch keine richtige Ahnung, wie der Film am Ende aussehen soll. Ist die Szene so gut? Nein, das passt nicht! Der Ton. Der Ton! Passt der Uebergang? Warum sind die Stimmen so leise. Es klopft. Niemand da. Fade-In, Fade out. Wie heisst eigentlich unser Film? Es klopft wieder, lauter. Niemand zu sehen. Welche Musik benutzten wir ueberhaupt? Brauchen wir ueberhaupt Musik? Die Interviews sind zu lang! Was muessen wir ´rausschneiden? Was koennen wir behalten? Ist das sinnvoll? Es klopft schon wieder, sehr laut. Niemand da! Verdammt, was soll denn das? Als ich die Tuer oeffne ist niemand zu sehen, der Korridor ist leer, also drehe ich mich um, will die Tuer schliessen, ploetzlich wird alles dunkel. Alle Lichter gehen aus, der Computer funktioniert nicht mehr. Fuer den Bruchteil einer Sekunde ist alles still. Erstarrt in der Bewegung. Dann sieht man die Fragezeichen ueber den Koepfen der Leute aufleuchten:
"Hm?", "Was ist passiert?", "Was soll denn das?", "Die Sicherung?"
Verwirrt verlassen wir den Raum und stehen im leeren Korridor ohne zu wissen, was wir nun ueberhaupt machen sollen. Wieder ist alles still. Dann die Sorgen:
"Unser Film!", "Hoffentlich dauert das nicht lange!", "So koennen wir ja nicht arbeiten!", "Und jetzt?"
Gemurmel aus dem Korridor unter uns. Es kommt naeher. Wir hoehren jemanden die Treppe hoch kommen. Es sind einige englische Schueler, alle sehr aufgeregt. Ich frage, ob die Sicherung irgendwo ´rausgeflogern waere. Sie sprechen alle durcheinander und ich kann nur verstehen, dass wir alle das Haus verlassen sollen. Feueralarm, sagt jemand. Aber ich hoere keinen Alarm. Wir packen in Ruhe unsere Sachen und gehen langsam richtung Ausgang. In den fenterlosen Gaengen stehen vereinzelt Schueler herum, als waere nichts passiert. Einige leuchten den Weg mit den kraftvollen, hellen Schirmen ihrer Mobiltelefone. Vor der Schule haben sich schon einige Schueler angesammelt und bewegen sich langsam vom Gebauede weg. Auf meine wiederholte Frage, was denn passiert sei, meinen die meisten, dass es ein Feuer gegeben haette und zwar hinter der Schule. Tatsaechlich kann ich etwas Rauch entdecken, aber das koennte genau so gut Dunst aus einem Schornstein ein. Wir warten. Aus der Dunkelheit der alten Kaserne, das zum Schulgebaeude umfunktioniert wurde, kommen abwechselnd einige Lehrer und bereden etwas unverstaendliches. Einige der Schueler sind sehr besorgt um ihre Arbeit und wollen wieder ins Gebaeude und ihre Arbeit sichern. Nichts passiert. Sirenen in der Ferne. Lauter. Lauter. Lauter. Ein Loeschzug der Feuerwehr zieht vorbei. Leiser. Leiser. Still. Dann ein Lehrer:
"Wir schliessen das Gebaeude fuer heute.", "Und das Filmprojekt?" fragen viele aufgregt. "Naechste Woche, naechste Woche." Jubel. Erleichterung. Auch in mir.
Aber was tun? Keine Schule, kein Geld, kein Notfallplan. Ich gehe mit einigen anderen die Strasse herunter in Richtung Schulhauptgebaude. Aufdringliche Alarmgerausche dringen aus einigen Gebaeuden. Leute kommen aus den Haeusern und bilden sich zu kleine Grueppchen, reden, laufen herum, sind verwirrt. Erst jetzt merke ich, dass alle Gebaeude in der Umgebung keine Strom haben. Der Verkehr geht normal, da durch grosse Kreisverkehre geregelt. Viele Schueler vorm Hauptgebaeude. Drinnen sind die Korridore nur durch Notfallbeleuchtung erhellt. Keinen Sinn da jetzt ´reinzugehen. Waehrend ich an der Strasse stehe, in mitten dieses Ausfalls, komme ich mir immer mehr vor, wie ein kleines Kind bei seinem ersten Besuch in einem Vergnuegungspark. Wo soll ich als erstes hinsehen, wo hingehen. Alles ist so verfuehrerisch. Am liebsten wuerde ich gleich pluendern gehen.
Ich laufe, wie ein konfuses Kind die Strasse entlang, bei mir ein Maedchen, dass ich kaum kenne. Verwundert schaue ich in jede Richtung und entdecke ueberall interessantes. Alles ist ausgeschaltet. Selbst die groessenmaechtigen Fast-foodketten. Wir kommen an einer Kentucky-Fried-chicken-filliale vorbei: "Heute gab´s grosse Verluste, was, Colonel?!"
Langsam komme ich wieder zur Besinniung. "Wo gehen wir eigentlich hin?" Sie will ihr Fahhrad holen. Fahr-rad. Fahrrad? Mein Fahrrad! Immer noch im Schulgebaeude! Aber alles schon abgeschlossen. Mist! Und wohin jetzt? Nach Hause? Wieso? Da wartet doch nichts! Also ins Stadtzentrum.
Die ganze Stadt. Dreihunderttausend. Nichts funktioniert. Bis auf das oeffentliche Verkehrsnetz. Ich moechte irgendwo fruehstuecken. Drei Pence. Mehr ist ist nicht drin. Und kein Geld aus dem Bankautomaten, da kein Strom. Aber halt! Wieso auch? Sieh dich um! Die Geschaefte machen nach und nach dicht: "Closed due to power failure", "Closed for safety and health reasons", "Sorry for the inconvenience". Mach doch nichts. Ich bin ja nicht der einzige, der hier nichts machen kann. Haette ich Geld wuerd´s mir auch nichts bringen. Aber hier gibt´s Leute, die haben Geld. Und sie sind genauso hilflos, wie ich. Nur, dass ich das sehr lustig finde!
Unten im Zentrum sind die Leute immer noch sehr geschaeftigt. Als haetten sie garnichts bemerkt. Fleissig und geistesabewesend bauen sie durch die ganze Innenstadt kleine Buden auf. Am Donnerstag beginnt der Deutsche Weihnachstmarkt. Von Deutschen, fuer Englaender. Mit Wurst und Bier und Gluehwein. Gluehwein. Oh, wie habe ich Lust darauf. Ueberhaupt! Betrinke Dich! Werde verrueckt waehrend alle normal bleiben. Endlich wird mir klar, was mir in all den vergangenen Tagen gefehlt hat. Wahnsinn! Verruecktheit! Etwas vertsandraubendes! Unverstand! Aber ach, es ist doch alles nichts. Was bleibt verruecktes zu tun, ohne Geld in der Tasche und ohne von der Autoritaet zu Brei geschlagen werden zu wollen. Aber versuchen! Versuchen muss ich´s zumindest:
"Kinder, es ist Weihnachten! Fangt an zu pluendern!" Das gilt den Klassenkameraden, die mir gerade entgegenkommen. Verdaechtigende Blicke treffen mich. Sie sind fuer Normalitatet. Bald. Also mit den Achseln gezuckt. Aber Nein! Jetzt doch noch nicht! Ich will es noch geniessen. Die Unnormalitaet. Jetzt da soviel Potential da ist. Ich muss es nutzen. Aber nicht hier. Sondern wo? ´Runter zum Strand!
Where are all the flowers gone? Spaziergaenger, Jogger, Touristen, Faschisten. Alles, wie ueblich. Sehr wenig Betrieb hier heute. Wo sind denn alle? Einige spielen immerhin Fussball am Strand. Klick. Foto. Wenn ich so auf die Stadt zureuckblicke, alles eigentlich, wie ueblich. Kein Wunder, dass nichts passiert. Wartet erst, wenn die Nacht hereinbricht und sich ueber euch legt, wie Draculas Umhang, so schwarz! Aber noch ist es nicht so weit. Noch wiegen die Leute sich in Sicherheit. Ich muss noch warten. Langsam wandele ich das Cliff hinauf und trotte allmaehlich nach Hause.
Da gibt´s Storm. Licht und alles. Nur der Ofen funktioniert nicht mehr, was Magic sehr aergert: "I gotta move out! I Gotta!" Seit zwei Monaten. Ich erzaehle ihm, dass es wahrscheinlich am Stromausfall gelegen haben mag. Stromausfall? Den hat er glatt verschlafen. Was soll´s auch. Seine ´Baeckerbroetchen´ werden durch Stormausfaelle nicht warm! Verzweifelt nimmt er den Ofen auseinander, ich helfe ihm dabei. Gelb, gruen, blau, schwarz, viele Kabel. Aber alle ohne Sinn aber mit viel Fett beschmiert, so zusagen als Zeugnis oder Erinnerung an vergangenen Bewohner. Hilft alles nichts. Aber vielleicht kann´s der Toaster richten! Broetchen ´rauf, Hebel ´runter TACK Broetchen warm. Und das alles zum House-beat aus Magics Radio, dass ploetzlich verstummt. Wieder ist alles erstarrt. Aber nicht still. Der bestaendige "Power-failure"-signalton des Feuermelders durschneidet alle drei Sekunden die von Verwirrung bestimmte Stille. Dann die Flueche:
"What the fuck! What happened?! This is ridiculous! Curwa!" Magic ist Pole.
Ich versuche ihn daran zu erinnern, dass ich ihm von dem Stromausfall erzaehlt habe. Er kann´s trotzdem nicht glauben:
"I gotta move out! I gotta!" ruft er noch waehrend ich die Treppe hoch gehe. Das alles langweilt mich. Es ist doch alles wie zuvor. Alles genauso. Autos bauen immernoch Unfaelle ´draussen. Die Leute sind geschaeftig. Magic will immer noch ausziehen. Und ich...mich macht das alles immer noch sehr muede. Also lege ich mich schlafen.
Unruhig erwache ich. Oder komme vielmehr wieder zu Bewusstsein. Wie lange habe ich geschlafen? Habe ich ueberhaupt geschlafen? Und wenn nicht, was habe ich die ganze Zeit gemacht? Nicht mal meine Brille abgelegt. Ich drehe mich um. Immer noch stumpfes Licht in den Fenstern. Aber lauer. Ist es immer noch nicht dunkel! Warte! Ist es noch da? Ich hoere es nicht mehr, das Biepen des Feuermelders. Ist er also wieder da, der Strom. Ach, das ist langweilig. Ich drehe mich wieder um. Keinen Sinn jetzt aufzustehen. Halt! Da ist es ja doch. Ja, jetzt hoere ich es ganz deutlich. BIEP. BIEP. Stimmt was mit meinem anderen Ohr nicht? Egal! Jetzt aufgestanden, bevor es dunkel wird. Klick Klack. Kein Strom. Kein Licht. Wunderbar! Ich ziehe mich gleich an, meine Jacke, den Schal, die Handschuhe, eine Zigarette. Das Haus scheint verlassen. Ueberhaupt, was waere denn, wenn ich laenger geschlafen habe, als ich denke? Vielleicht einen Tag?
"Hallo!?" Geraeusche aus dem Garten. John versucht ein Fahrrad aus alten Teilen zusammenzubauen. Verdammt! Doch keine Evakuierung, die ich verschlafen haben koennte. Ich stehe im Garten und rauche. John ist aus Nigeria. John studiert hier. Was eigentlich? Er hat´s gesagt als ich ihn fuer die Doku aufgenommen habe. Ich weiss es nicht mehr. Er laechelt immer. Immer zu. So ein breites weisses Grinsen, eigentlich schon eher ein Lachen, da er immer den Mund dabei leicht geoeffnet hat. Aber man kann ihn nie verstehen, wenn er etwas erzaehlt, weil er immerzu dabei lacht. Klingt alles abgehackt dann. Er beschaut sich seine Handflaechen, die jetzt auch schwarz sind vom Kettenfett.
Verdammt kalt heute! Wie oft haben mir die Leute hier erzaehlt, dass es kaum frieren wuerde, kein Schnee, nur Regen, Wind und Scheisse. Aber halt! Regen? Wind? Nichts zu spueren! Ueberhaupt! Keine Wolke am Himmel! Habe ich doch den Tag verschlafen?
"What day´s today!?", "Eh?", "What day´s today?", "Eh, it´s tuesdeh"
Tatsaechlich? Verdammt. Ich rauche und schaue ueber die Zaeune, ueber die Gaerten der Nachbarn. Klar und Blau. In meinem Kopf sehe ich Langstreckengeschossen ungezielt in die Stadt einschlagen. Dann der pfeifende Ton. Ich stehe, wie erstarrt. Dann hoch oben im blauen Dunst Bomberstaffeln.
"I give up!"
Nein, nicht aufgeben! Noch ist nichts verloren! Wir muessen kaempfen. Muessen wir? So heisst es jedenfalls immer in den Filmen. ´Du musst tapfer sein Junge!´ und ´Fuer die Ehre, Junge´. Die Ehre kann mir auch nicht den Bauch zunaehen, wenn ich meine Gedaerme festhalten muss. Angriff? Hinterhalt. Stromausfall und alles eine Finte? Von wegen Feuer! Was wuerde ich tun? Das Auto, ja! Ins Inland. Wohin? Weg von der Invasion. Wen wuerde ich mitnehmen? Puh, gute Frage. Soviele , wie moeglich. Aber, was! Ich hab´ ja keinen Sprit. Vielleicht wuerde ich noch ein oder zwei Kilometer schaffen und das waer´s dann. Und kein Geld, um welches zu kaufen. Ich muesste jemanden mitnehmen, der mir Geld beschaffen kann. Der Krieg holt immer das schlechteste in einem hervor. Kacke, wieso bin ich nur so arm!
"I cannot put this bike together!"
Bike. Bicycle. Fahrrad. Rad. Verdammt! Es steckt immer noch in der Schule fest! Und ich muss doch ins Stadtzentrum, in den dunkelen Schlund! Dann werde ich wohl laufen muessen. Und zusammenbauen kann ich mir auch kein Fahhrad. Ich wuerde nur aufgeben.
Ich sehe allerhand Leute auf der Strasse, waehrend ich in richtung Stadt gehe. Ich bleibe bei einigen neugierig stehen. Sie unterhalten sich ueber den Stromausfall. Jemand meint, der Storm wuerde in drei Stunden wieder da sein. Drei Stunden. Vier Uhr jetzt. Dann sieben. Dann Dunkelheit. Mehr brauche nicht. Etwas Dunkelheit in der Stadt. ´Darkness in town´. Klingt, wie der Tourtitel einer Rockband.
Tatsaechlich kommen mir viel Leute entgegen, waehrend ich so weitergehe. Und, wenn ich mich so umsehe, ja, sie kommen mir nur entgegen und keiner geht mit mir. Keiner folgt mir in richtung Stadt. Hatte ich vielleicht doch recht? Invasion? Wovor fuerchtet ihr euch, Genossen? Was wartet da unten auf mich? Warum folgt ihr mir nicht in den dunkelen Schlund? Was habt ihr schon zu verlieren?
Die Strasse ´runter zum Platz in der Innenstadt wird von zwei grossen Buerogebaeuden eingerahmt, die als einzige in der ganze Umgebung noch ueber eine elektrische Stromversorgung verfuegen. Unbeirrt leisten und schuften die Bueroangestellten in ihren kleinen Arbeitskamemmerchen vor den flimmernden Bildschirmen und wissen vielleicht noch nicht einmal, dass die ganze Stadt in Dunkelheit versunken ist, denn man sieht nichts, wenn man aus einem hellbeleuchteten Raum durch ein Fenster in die Dunkelheit schaut. Mahnend und beeindruckend stehen die beiden Gebauede dort, glitzernd und schimmernd und geschaeftig und unwissend, immer noch arbeitend, wenn es schon garkeinen Sinn mehr macht.
Da liegt es nun vor mir. Das Dunkel. Die Stadt. Die Stadt, die fuer einen Tag mal sich eine Pause vom Stadt-sein goennen darf. Vielleicht die einzige Stadt in der Welt, die heute an diesem schoenen Abend in der Geschichte ungehindert ohne dass man auf einen fernen Huegel steigen muss, den Blick auf die Sterne gewaehrt. Eine Stadt, die man nachts nicht sehen kann. Eine schoene Stadt.
Langsam wandele ich den Huegel herunter zwischen den beiden Glitzertuermen hindurch ins Duester. Ich komme mir vor, wie auf einem Laufband, dass mich bequem und leicht ins schwarze Loch vor mir transportiert. Man kann tatsaechlich nichts erkennen. Normalerweise kann man schon vom weiten die Jugendlichen und Kinder sehen, die sich am Wochenende dort versammeln, um sich trotz oder gerade wegen des Konsumverbots fuer alkoholische Getraenke in der Oeffentlichkeit zu betrinken und komisch zu sein. Aber heute ist alles duester. Ich habe keine Ahnung, was da unten auf mich wartet.
Bauarbeiter. Die warten dort! Unermuedlich arbeitend. Diese verdammten Deutschen! Das sie immer so geschaeftig sein muessen, selbst bei Dunkelheit und ohne Strom. Weihnachtsmarkt! Es sind doch noch zwei Tage bis dahin! Geht trinken, das koennt ihr doch, werdet verrueckt! Aber Sie arbeiten lieber.
Ruhig gehe ich durch den Park in richtung Strand. Mir scheint fast als waere es etwas heller hier. Die einzige Lichtquelle weit und breit ist die grosse, vollkommen runde Mondscheibe am Himmel. Bleich und klar haengt sie dar und spendet pfahles Licht, fast als wollte Gott Gnade mit der Stadt zeigen und sie nicht vollkommen im Dunkelen versinken lassen: "Seid gewarnt, Menschen! Ueberlegt euch gut, ob ihr am Sabbat lieber die vielen Tempel der Dekadenz in euren Staedten besucht, anstatt mir zu huldigen!" Leise fluestere ich ein ´Danke´ in meine gefalteten Haende.
Rauchend sitze ich am Strand und schaue auf´s Meer hinaus. Vereinzelt stehen einige Lichter am Horizont. Das Pier ist geschlossen, leider. Man haette vielleicht im schwachen Mondlicht die urspruengliche Keuste erahnen koennen, wenn man etwas mehr Ueberblick haette. Die Kueste, wie sie einmal war, ohne all die Gebaeude und Lichter und Geschaeftigkeit. Pinienwaelder, die bis ans Cliff heran reichen anstelle von Hotelgebaeuden und Buerotuermen. Wilde Vegetation am Rande des Strandes anstelle von Betonpromenade. Nebelschwaden und Dunst, der von der Kueste in die Waelder zieht, anstelle von Autosmok. Versteht mich nicht falsch. Ich mag die Stadt, sie ist schoen und gemuetlich. Ich wuerde aber nur zu gerne mal ihre Urspruenglichkeit erleben. Ich moechte sehen, wie es einmal war, vor all diesen Eingriffen. Aber das Pier ist geschlossen.
Suchscheinwerfer an der Fassade eines Hotels. Selbstmord? Rettungsversuch? Suchtrupp? Nur eine Moeglichkeit es ´rauszufinden. Durch den Park, an den Papageikaefigen vorbei hoch in die Strassen. Die Voegel sind alle ruhig. Ihr Geschnatter kann man ueblicherweise den ganzen Tag und die ganze Nacht bestaunen. Aber heute ist alles still. Der Scheinwerfer stellt sich als ein Taschenlampenlicht heraus, dass irgendein Spinner mit sich gebracht hat. Keine Ahnung, warum er die Fassade absucht. Und es interessiert mich auch nicht. Viel interessanter finde ich all die kleinen Laeden, die trotz des Stromausfalls ihre Tueren geoeffnet haben. Bei Kerzenlicht sitzen die Menschen in den Restaurants und unterhalten sich angeregt. Ruhig stehe ich vor den Fenstern in der Dunkelheit und laechele. Heute sind alle gezwungen einen romantischen Abend zu haben. Ich frage mich, wieviele Kinder heute abend wohl gezeugt werden. Zwanzig? Vielleicht mehr? Selbst die Schnapslaeden, die sonst von einem grellen unnatuerlichen Gefaengnislicht beleuchtet werden, laden heute geradezu zum Trinken und Kaufen ein und ich moechten hinein gehen, mir ein Bier kaufen und mich mit den Besitztern unterhalten. Aber aller Romantik zum Trotz, es funktioniert leider immer noch nur mit anerkanntem Zahlungsmittel.
Da faellt mir der grosse Super-Supermarkt beim Bahnhof ein. Ich frage mich, ob auch der Eigenversorgung hat. Ein riesiger Supermarkt braucht viele Kerzen, um jedes Preisschild zu beleuchten. Waehrend ich durch die dunkelen Gassen wandere kann ich allerdings in der Ferne schon die grossen, gruenen Leuchtbuchstaben erkennen, die zu sagen scheinen: "Wir sind unbesiegbar! Kauft ein! Kauft ein! Nur bei uns, selbst, wenn die Welt untergeht!" Und da ist es wieder. Das stumpfe, unnatuerliche Gefaengnislicht. Als waere nichts geschehen kaufen die Leute wild ein. Ziemlich wild sogar, wie ich verwundert feststelle. Fast als wuerden die Leute Hamstereinkaeufe machen. Aber nein, eigentlich ist es jeden Abend so, wenn ich´s recht bedenke. Ich klaue ein paar Suessigkeiten, schlendere zwischen den Regalen her und aergere mich ein wenig, und versuche mir das Grelle kuenstliche Tageslicht wegzudenken. Vielleicht ist es genauso, wie bei der Huehnermassenhaltung. Da werden die Tiere in grosser Zahl in einem fensterlosen Gebaeude gehalten und es wird kuenstliches Tageslicht erzeugt, dass laenger dauert, als der uebliche Tag. So werden die Tiere verwirrt und legen mehr Eier in einer kuerzeren Zeit. Und wenn ich mich hier so umsehe; keine Fenster zu sehen. Nur grelles Neonlicht und viele, viele Menschen in einem 24-Stunden-Supermarkt, die einkaufen, als wuerde es um ihr Leben gehen. Und draussen die schwarze Nacht.
Vor mir liegt ein Stadtteil, der bereits wieder Stromversorgung zu haben scheint. Ich besuche einen Freund, der ein kleines und gemuetliches Appartment bewohnt und auf seine Frau und seinen fuenf Monate jungen Sohn wartet, die am Wochenende aus Basingstoke zu ihm kommen sollen. Er freut sich, denn er hat sich gerade ziemlich gelangweilt und braucht immer jemanden zum Reden. Wir unterhalten uns ueber pruede Englaender, und ihre verschlossene Art. Ich muss allerdings widersprechen, denn hatte ich schon vor einigen Wochen Bekanntschaft mit allerlei offenen Englaendern gemacht. Die allerdings sind wohl eher zur alternativen Szene zu zaehlen. Nach weiterer Disskussion stimmen wir darueber ein, dass man im Prinzip ueber alles reden kann, auch wenn man nicht unbedingt viel Ahnung ueber´s Thema hat; man sollte aber wissen, wann Kommentar angebracht ist. Als wir uns verabschieden, bietet er mir an zureuckzukommen, wenn ich zu Hause immer noch keinen Strom haben sollte, um dort zu kochen. Das werde ich tun, verspreche ich ihm.
Der Weg zureuck fuehrt unter eine Unterfuherung durch, die zwei Stadtteile voneinander trennt. Die eine Seite hat Licht, die andere nicht. Es wirkt fast als haette ich ein Portal betreten, ein Tor zur dunkelen Seite. Nur, dass diese mir viel besser gefaellt. Zu Hause ist schliesslich alles dunkel; selbst die Notbeleuchtung hat den Geist aufgegeben. Aus unerklaerlichen Gruenden gibt der Feuermelder aber immer noch seinen drei-sekunden Fehler-signalton von sich. Ich taste mich nach oben ohne recht zu wissen, was ich da oben eigentlich machen soll. Absichtlich stampfe ich laut auf den Holzstufen, in der Hoffnung jemand hoert mich und schaut neugierig aus seinem Zimmer. Und tatsaechlich, nachdem ich zweimal die Stufen auf und abgegangen bin, sehe ich einen Lichtschein aus Chuzy’s Zimmer kommen. Und es ist er hoechstselbst, der eine Taschenlampe zum Vorschein bringt und nun in seine vollen Groesse (immerhin zwei Meter etwa) vor mir steht.
"Still no power, eh?", "No...just the flaschlight..."
Er erzaehlt mir, dass man in Nigeria, seinem Heimatland, nicht immer mit einer konstaten Stromversorgung rechnen kann. Die NEPA (Nigerian Electrical Power Association) ist in dieser Hinsicht ziemlich unzuverlaessig, sagt er. In Nigeria wuerde man in so einer Situation die Leute ueberall laut "NEPA!" rufen hoeren. ´NEPA´ waere dort naemlich mittlerweile die viel passender Abkuerzung fuer "Never Expect Power Always". Dann ist er still. Unangenehmes Schweigen. Selbst in der Dunkelheit spuere ich, wie man den Blicken des andere ausweicht. Wir werden gerettet von Krystof, der gerade von der Arbeit aus der Fabrik kommt.
"Oh man! How am I supposed to cook my meat now! I´m so hungry!" Wir lachen. Zu dritt sitzten wir im Treppenhaus und lachen. Dann faellt Chuzy ploetzlich ein, dass jemadn fuer mich angerufen hat. Die Telefone funktionieren ausnahmslos. Eine Frau. Meine Mutter. Ob´s sie´s in den Nachrichten gesehen haben? Wird sowas da ueberhaupt uebertragen? Sie haben sich sicher Sorgen gemacht. Ich sollte besser zureuckrufen. Aber leichter gesagt als getan. Das Telefon ist so eingerichtet, dass man nur Anrufe von ausserhalb annhemen kann. Wenn man selbst telefonieren moechte, braucht man eine Telefonkarte, die man sich in einem Internetcafe um die Ecke kaufen kann, auf denen ein Code steht, den man auf dem Wahlfeld des Telefons eingeben muss, bevor man telefonieren kann. In der Dunkelheit kann ich diesen Code allerdings nicht erkennen und ich muss erst warten bis Krystof mit Kerzen kommt, bevor ich anrufen kann.
"Ist das Paket angekommen?"
Sie haben keine Ahnung von den Stromausfall.
"Nein, es ist noch nicht angekommen. Leider."
Ich erzaehle Ihnen von dem Stromausfall. Ansonsten nicht viel Neues aus der Heimat. Krystof ist immer immer noch beschaeftigt mit der Loesung der Frage, wie er denn nun sein Hungergefuehl stillen soll. Ploetzlich ist Magic’s house-beat wieder da. Das Licht geht an. Der Fehler-signalton des Feuermelders verstummt endlich. Alle sind erleichtert. Einige singen. Wieder lachen wir viel. Ploetzlich klingelt das Telefon. Martin ist an der anderen Leitung. Er fragt mich, ob ich vorbeikommen moechte, um das Bierfass, dass seine Eltern ihm vor einigen Wochen mitgebracht haben anzustechen. Ich habe nichts dagegen und es ist vereinbart.
Martin habe ich vor einigen Monaten hier kennengelernt. Er kommt aus der Naehe von Heidelberg und ist voller jugendlicher Vorurteile. Er mag keine Franzosen. Liebt Metal. Trinkt viel. Langes, schwarzes Haar und schwarze Kleidung mit Aufdrucken verschiedenen Heavymetalbands macht seine Erscheinung aus. Er ist ein lustiger Kerl. Und ein bisschen erinnert er mich an mich selbst, so wie ich frueher war.
Hier ist alles duester. Ihre Strasse hat noch immer keinen Strom. Wir sind nicht allein, als wir in sein Zimmer gehen. Normalerweise teilt er sich sein Zimmer mit einem anderen Deutschen, ein junger Kerl, den ich nur ein paar mal gesehen habe. Heute allerdings liegt dort ein junges, italienisches Maedchen namens Sahra. Sie hat sich in die Decke eingekuschelt und erwidert meine Begruessung leise. Martins Zimmerpartner besucht einen Freund, erfahre ich. Martins italienische Besucherin erwartet ihrerseits selbst Besuch. Martin und ich trinken. Es klingelt. Klingel? Ist der Strom wieder da?, fragen sich alle. Sie scheint unabhaengig zu funktionieren, denn abgesehen von der Klingel funktioniert nichts. Der erwartete Besuch kommt. Jetzt sitzen wir zu viert in Martins Zimmer. Martin und ich auf seinem Bett, trinkend, und die beiden italienischen Maedchen auf dem anderen. Ich will betrunken werden.
Das Maedchen, dass hinzu gekommen ist, heisst Stefana. Sie hat eine sehr ruhige und italienische Stimme und denkt immer einige Momente nach, bevor sie etwas auf englisch sagt und ueberbrueckt diese Pausen mit einem leisen "Mmm". Sie ist sehr attraktiv, soweit ich es im schwachen Kerzenschein erkennen kann. Ich nutze die schwachen Lichtbedingungen und schaue sie unentwegt an. Schnell schaut sie weg, wenn sich unsere Blicke streifen. Ich versuche standzuhalten. Martin und ich trinken.
Sie erzaehlt von exzessiven Abschiedsfeiern in Italien und wie sie und ihre Freunde sich alle nackt ausgezogen haben, um verrueckt zu werden. Ich versuche es mir vorzustellen und laechele, versteckt hinter meinem Glas. Wir reden ueber Unterwaesche. Weisse Unterwaesche mit Herzen ist das schlimmste, was man(n) tragen kann, meint sie. Ich habe dazu keine Meinung, erinnere mich aber an die Unterhaltung von vorhin mit meinem Freund, der auf seine Familie wartet und versuche mich dennoch zu beteiligen. Ihr Fuss liegt nur einige Zentimeter von meinem entfernt und ich ueberlege, ob ich mit ihr fuesseln soll, bringe es aber einfach nicht fertig. Verdammt!, wie mich das aergert! Ich kann einfach nicht fassen, dass ich mich immer noch so gezwungen fuehle, wenn ich nicht alleine mit jemanden bin! Ich trinke mehr.
Und wie es eben so ist, wenn man mehr trinkt, muss man auch oefter auf´s Klo. Hin und her pendele ich zwischen Klo und Bierfass und hin und her pendeln meine Gedanken zwischen dem Alleinsein heute abend im Bett und in Begleitung sein. Immer groesser wird mein Drang, sowohl der meiner Blase als auch der meines Verlangens. Aber bevor ich mich selbst ueberwinden kann, ist es schon zu spaet. Als ich zum ungezaehlten Male von der Toilette zureuckkomme, sehe ich sie im Zimmer stehen und sich ihre Jacke anziehen:
"You´re going already!", frage ich verzweifelt und angetrunken.
Zu spaet. Sie geht und ich bleibe zureuck mit Martin und Sahra. Ich habe absolut kein Beduerfnins mehr hier zu bleiben. Aber um nicht unheoflich zu sein, bleibe ich noch einige Zeit, trinke noch mehr, auch um betrunken zu werden und beschliesse den naechstbesten Moment zu nutzten, um zu gehen. Und Gnade wird mir zu teil, als nach kurzer Zeit das Licht wieder anspringt. Ich trinke mein Glas nicht zu schnell auf, verabschiede mich, in dem ich allen sage, dass ich morgen arbeiten muss und bin endlich in die helle, eiskalte Nacht entlassen.
Die Strassen sind wieder kuenstlich beleuchtet. Der helle Mond scheint jetzt keinen Sinn mehr zuhaben und verschwindet schon langsam hinter den Daechern der Stadt. Das Licht ist wieder da. Die Normalitaet ist wieder zurueck. Der Ausflug in die Verfuehrung ist vorueber. Allein gehe ich die Strassen entlang uns alles ist, als waer´ nichts gewesen. Die Stadt ist wieder eine Stadt von vielen, von tausenden, die Laternen entlassen wieder ihr gelbes Licht aus ihren gebeugten Koepfen. Diese Nacht bin ich wieder allein und in mir wird es wieder dunkel.


Einstell-Datum: 2006-03-16

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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