Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Antonin Artaud - Schwarze Tasche / Finsteres Fleisch
Buchinformation
Artaud, Antonin - Schwarze Tasche / Finsteres Fleisch bestellen
Artaud, Antonin:
Schwarze Tasche /
Finsteres Fleisch

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Hörspiel von Michael Farin und zeitbloom

„Doch im Griechischen heißt es Tavaturi. Und Tavaturi heißt Lärm.“ Erst antwortete Jacques Riviere, der Herausgeber der „Nouvelle Revue Francaise“ und selbst Schriftsteller, nicht auf die Briefe von Antonin Artaud und die Bitte nach Veröffentlichung seiner Werke. Doch als er ihm endlich zurückschreibt, schickt er ihm eine Abhandlung über das Denken, dem Grenzen gesetzt werden müssten, da es sonst in den Wahnsinn führen würde. „Mir ist bewusst, an sich genommen ist der Geist eine Art Krebsgeschwür; er breitet sich aus, er dringt ständig in alle Richtungen vor; und die Ausgänge des Geistes sind zahlenmäßig unbegrenzt; keine Idee bremst ihn; keine Idee bringt ihm Ermüdung und Befriedigung; selbst jene vorübergehenden Erleichterungen, die sich unsere physischen Funktionen durch Übung verschaffen, sind ihm unbekannt. Der denkende Mensch verausgabt sich gründlich.“ Schon früh erkannte Riviere das ganz persönliche Drama des Antonin Artaud und schloss seinen Brief mit den Worten: „Schicken Sie mir alles was Sie haben!“ Er wusste ganz genau, dass Antonin Artaud seinen Rat niemals beherzigen werden würde, und über jede Grenze des Denkens hinausstoßen und dabei viel Lärm machen wird...

Artaud verlor so bald wie er ihn gefunden hatte den Zugang zur surrealistischen Bewegung, der „Revolution Surrealiste“ der Mannen um Andre Breton. Er war für immer der Außenseiter, selbst unter den Außenseitern. Maurice Blachot sagte über Artaud, dass er sich mit der maßlosen Erfahrung messe „mit festem, grübelndem, brennendem Geist, der aber noch in der Flamme das Licht sucht“. Artaud war selbst ein Brennender, ein Entflammter und für viele stellt er auch heute noch das Licht dar, das selbst in dunkelster Nacht noch leuchtet. Blixa Bargeld, der Sänger der Einstürzenden Neubauten berief sich etwa auf Artaud, der mit einem Schuh in der Hand auf dem Bett einer Irrenanstalt starb. „Ich allein kann beurteilen, was in mir ist“, daran habe Artaud bis zuletzt geglaubt. An der Musik zu vorliegendem Hörspiel hat übrigens auch Alex Hacke mitgearbeitet, seines Zeichens Gitarrist und Bassist der Einstürzenden Neubauten.

„Mein Denken verlässt mich auf allen Stufen : Ich befinde mich in ständiger Verfolgung meines geistigen Seins.“ Antonin Artaud war langsamer als sein eigenes Denken und nahm diese Verfolgung auf, er wollte die Trennung zwischen Werk und Leben abschaffen und ihre mutwillige Zerstörung herbeiführen. „Man muss Schluss machen mit dem Geist wie mit der Literatur. Ich behaupte, dass Geist und Leben auf allen Stufen miteinander in Verbindung stehen.“ Mit diesen Worten war Artaud wohl konsequenter als viele seiner surrealistischen Kollegen, er ging bis zum Äußersten, auch in seiner Beziehung zu Genica Athanasiou: „Wie alle anderen Frauen denkst du auch nur mit deinem Geschlecht“. „Du weißt nichts vom Geist, du weißt nichts von der Krankheit.“ „Wenn du wüsstest an was ich mich ausgeliefert habe, um die Schmerzen einzuschränken und zu unterdrücken, würdest du meine Unausgeglichenheit, meine Reibereien mit dir, die Unbeständigkeit meiner Stimmungen, den Zusammenbruch meines körperlichen Seins, diese Abwesenheiten, diese Zermalmung ertragen.“

„Der Traum ist wahr, alle Träume sind wahr!“ war bei Antonin Artaud nicht nur eine Parole. Er vermochte es „die im Traum erblickten Landschaften“ auch in der Liebe zu manifestieren, dem Tod zu trotzen, der ganz ohne Liebe und alleine ist, und dem Verstand seine humanitäre Maske herunterzureißen. Anais Nin schrieb über ihn: „Von Artaud berührt werden heißt, mit dem Gift vergiftet werden, das ihn zerstört. Seine Hände umschließen meine Träume, denn sie sind wie die seinen. Ich liebe den Dichter, der durch meine Träume geht, seine Qual und das Feuer, das in ihm brennt, nicht den Mann.“

Diese musikalisch-verbale Collage aus den Werken von Antonin Artaud stammt aus den Korrespondenzen mit Jacques Riviere, den Schriften „Der Nabel des Niemandslands“, „Die Nervenwaage“, „Fragmente eines Höllentagebuchs“ sowie „Kunst und Tod“. Weitere Werke finden Sie beim Matthes und Seitz Verlag, z. B. auch die Briefe an Genica Athanasiou, „Das Theater und sein Double“, „Mexiko und die Tarahumaras“ oder „Das Theater der Grausamkeit“. An der Umsetzung vorliegender CD haben weiters mitgearbeitet: Jens Harzer, Bernhard Schütz, Christian Wittmann, Marijam Agischewa und Meike Schlüter (Sprecher); Tony Buch, Alex Hacke und zeiblom (Musiker); Thorsten Weigelt (Ton und Technik).

Antonin Artaud wurde am 4. September 1896 in Marseille geboren und starb am 4. März 1948 in Ivry-sur-Seine. Artaud war nicht nur ein begnadeter französischer Schauspieler, Dramatiker, Regisseur, Zeichner, Reisender und Dichter, sondern auch ein interessanter Theater-Theoretiker. Die meisten seiner Schriften sind beim Matthes & Seitz Verlag auf Deutsch erschienen, darunter auch seine Biographie, die unlängst neu aufgelegt wurde.

Matthes & Seitz Verlag
www.matthes-seitz-berlin.de
ISBN: 978-3-88221-712-4
1 CD 55 min, 16-seitiges Booklet

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2008-11-19)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Antonin Artaud ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Die Geschichte einer ReisePiguet, Philippe:
Die Geschichte einer Reise
Briefe aus Venedig von Alice und Claude Monet Erst wollte er gar nicht nach Venedig reisen und dann brachte er insgesamt 37 (!) Bilder von seinem Aufenthalt in der Lagunenstadt nach Frankreich zurück. Im Jahre 1908 hatte Monet seine Faszination für seine Seerosen noch nicht aufgegeben, doch seine Frau langweilte sich und wollte [...]

-> Rezension lesen


 TANGOZimmermann, Jim:
TANGO
The Rythm and Movement of Buenos Aires „Und wie ist dieser Tangotanz, den Du tanzest? Heisst er überhaupt so? Ist es etwas Mexikanisches? Warum gibt es von jenem Tanz kein Bild?“, fragte ein ahnungsloser Franz Kafka seine Geliebte Felice Bauer in einem Brief. In Prag, wo er lebte, war der Tango noch bis 1913 verboten und in Berlin [...]

-> Rezension lesen


Wandern in VorarlbergFink, Bruno:
Wandern in Vorarlberg
Das „Erlebnis“wandern ist in der letzten Saison wieder groß in Mode gekommen, aber man sollte sein Herz vor allem für die Schönheiten, die man am Wegesrand findet, öffnen, denn das wahre Erlebnis ist schließlich der eigene Genuss und die sich verändernde Wahrnehmung. Raus aus der Stadt und hinauf in die Berge fällt einem in [...]

-> Rezension lesen


 Cuba LibreLancrenon, Sylvie:
Cuba Libre
Erotische Photographien von Sylvie Lancrenon 26. Januar 2008, 12 Uhr: Die Wände des kubanischen Hotelzimmers, wo diese Fotoaufnahmen stattfanden, sind in einem dunklen Blau angestrichen, der Verputz blättert schon etwas ab. Die rote Satinwäsche des hölzernen Bettes bringt dadurch einen umso frivoleren Glanz in die intime Stimmung [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.022000 sek.