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Warum ich schreibe.
Autor: Peter Dürbaum · Rubrik:
Sonstiges

In einem etymologischen Wörterbuch heißt es: „Schreiben, (...) mit einem spitzen Griffel eingraben, einzeichnen, (...)“ und weiter :„(...) die alte germanische Bezeichnung für das Einritzen der Runen (siehe reißen)" und bei „reißen“ steht: „(...) bedeutet ursprünglich ´ritzen´, speziell ´Runen(zeichen) auf Buchenstäbchen einritzen´, dann ´zeichnen, schreiben´(...)". (PFEIFER 1993).
Eingraben, ritzen, zeichnen, das ähnelt der Holzschnitt-Technik, mit der ich mich schon lange beschäftige, ein Grund also, auch das Schreiben zu erlernen und dann beides zu vereinen.

Aber es gibt noch etwas anderes: ich will schreiben lernen, weil ich sprachlos geworden bin.
Liegt es an meiner Kindheit, an meinem Alter, an meiner Krankheit, an diesen Zeiten, daß es mir die Sprache verschlagen hat? Vielleicht ist schon alles gesagt? Häufig bin ich versucht, mich nur noch durch Bild und Symbolemitzuteilen. Dennoch, es gibt weitere Gründe das Schreiben zu erlernen, Gründe, die dem praktischen, dem angewandten Leben dienen.
Dazu gehört, meine Gedanken und Gefühle genauer zu formulieren und zu Papier zu bringen. Wenn das, was ich sagen will für mich selbst schlüssig ist, gehe ich davon aus, daß ich auch von anderen verstanden werde. Von Kindheit an neige ich zu einer grüblerischen Nachdenklichkeit; deswegen will ich lernen, meine Gedanken schärfer zu fassen, bevor ich sie zu Papier bringe.
Schreiben hilft aber auch, zusammen mit dem Dialog, die eigene Identität zu erkennen und zu bewahren; so kommt meine Persönlichkeit, mein „Ich“ zum Ausdruck. Es entsteht Übereinstimmung mit meiner Sprache und meinem Umfeld. Dies meint wohl auch der Schriftsteller Paul Esser, wenn er dem Regionalen im Verhältnis zum Globalen steigende Bedeutung beimißt.
Aus diesem Grunde will ich bewußt den Umgang mit meiner Muttersprache, der deutschen Sprache, pflegen. In der Schule und im Studium habe ich mir keine tiefschürfenden Gedanken über künstlerische Mittel oder tiefergehende Möglichkeiten des Schreibens gemacht. Jetzt aber empfinde ich Umgangssprache, Anglizismen und andere Moden in Zeitungen, in Radio und Fernsehen als störend.
Der Grund für die Vergewaltigung des gesprochenen und geschriebenen Wortes könnte eine kulturelle Umbruchszeit sein und deshalb erscheint es mir gerade jetzt besonders wichtig, ein Bild der gegenwärtigen Zeit zu zeichnen.
Daher bin ich bestrebt, geistig rege und auf der Höhe der Zeit zu bleiben.
Im Mai dieses Jahres werde ich 59 Jahre alt und das Schreiben soll mir helfen, geistig wach und wachsam zu bleiben. Die Entwicklungen meiner Umgebung und meiner Zeit beobachten und bewerten, meine Lebenserinnerungen aufschreiben, ein Tagebuch, ein Aufgaben- und Ideenbuch zu führen, diese Mittel sollen mir helfen, geistig rege, auf der Höhe der Zeit und anpassungsfähig zu bleiben. Dazu fällt mir Walter Jens ein, der in seinem hohen Alter beeindruckend frisch wirkt.
Durch eine chronische Krankheit bin ich zwar in materielle Not geraten, andererseits besteht jetzt die Möglichkeit, etwas von Grund auf Neues zu beginnen. Ich will so schnell wie möglich das Schreiben erlernen und den Schwerpunkt auf geistige Tätigkeiten verlegen, um die neuen Aufgaben und Anforderungen bewältigen zu können. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit anspruchsvollen Schriften.
Wenn ich selbst das Schreiben erlernt habe, kann ich wiederum Geschriebenes besser interpretieren und analysieren. Dabei denke ich an Texte, die demagogisch, wissenschaftlich einseitig oder falsch, politisch bedenklich oder in ihrer Aussage sogar gefährlich sind, wenn sie unkritisch hingenommen würden. Das trifft auch auf Artikel in Zeitungen, philosophische und da ich gerne zeichne und male, auf kunsttheoretische Schriften zu.
Dazu kommt, daß ich meine Kenntnisse schriftlich ordnen und zusammenbringen will. Seit geraumer Zeit befasse ich mich vor allem mit den graphischen Techniken. Um mir selbst über das, was ich mache, klar zu werden, will ich meine Vorstellungen zunächst für mich schriftlich erfassen und übersichtlich darstellen.
Bei Ausstellungen habe ich festgestellt, daß die Besucher meine Bilder anschauen, aber auch zuhören und lesen, was ich zur Entstehung der Bilder sage und schreibe. Das ist der Grund, warum ich den Holzschnitt und das Wort zusammenbringen will. Durch die Fähigkeit schreiben zu können, ließen sich Vorhaben verwirklichen, die mich schon längere Zeit beschäftigten.
Meine Bilder und Vorstellungen setze ich unter anderem mit Hilfe der Holzschnitt-Technik, der Kaltnadelradierung und durch die Collage um. Mein Wissen über den Holzschnitt und über die Geschichte und Entwicklung des Holzschnittes und die Drucktechnik gleichen Namens habe ich schriftlich zusammengefaßt.
Als Dozent am Zentrum für Offene Kulturarbeit leite ich seit kurzem einen Holzschnitt-Kurs und halte Dia-Vorträge zum Thema Holzschnitt.
Darauf ist auch ein Werkstattbrief abgestimmt, den ich für Künstler, Sammler und Kunstliebhaber herausgebe.
Eine letzte Bemerkung: bei den Vorbereitungen zu diesem Text stellte ich fest, welche großartigen Möglichkeiten die deutsche Sprache bietet (Wortreichtum, Vielfalt der Wortzusammensetzung, Sinnänderung durch Betonung der einzelnen Worte im Satz und dergleichen mehr). Das verstärkt meinen Wunsch, das Schreiben von Grund auf zu erlernen und zu verbessern.


Einstell-Datum: 2006-11-10

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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