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Lucy Cooke - Bitch. Ein revolutionärer Blick auf Sex, Evolution und die Macht des Weiblichen im Tierreich
Buchinformation

Im Zeichen der Gottesanbeterin eröffnet uns die Oxforder Zoologin Lucy Cooke einen neuen Blick auf das Tierreich.
Von Matriarchaten, Pseudopenissen, Kannibalinnen lautet einer der Untertitel und Cooke erklärt ausführlich, was es bedeutet, dem weiblichen Geschlecht anzugehören.

Binäre männliche Wissenschaft

Biologisches (sex) und soziales (gender) Geschlecht stehen spätestens seit den Siebziger Jahren im Zentrum der feministischen Diskussion und bisher kam niemand auf die Idee, auch das Tierreich in dieser Hinsicht zu untersuchen. Beeinflusste unsere männliche Sichtweise auf Fauna und evt. auch Flora unsere Interpretation der Vorgänge in der Natur? Und war die Naturwissenschaft nicht lange Zeit hauptsächlich eine Domäne von Männern? So wie eigentlich sogar die ganze Wissenschaft? Eben! Viel zu lange wurde das Weibliche in der Wissenschaft auf das Mütterliche, das Aufopfernde, das Passive reduziert. Zumeist, meistens oder sogar immer von männlichen Forschern. Lucy Cooke wirft nun einen neuen, revolutionären und auch feministischen Blick auf die Tierwelt, der die überholten, patriarchal geprägten Annahmen über Bord wirft und damit auch das sog. Weibliche neu definiert. Angefangen hatte sie als Dokumentarfilmerin und Moderatorin, sie schrieb für Zeitungen wie die Sunday Times, den Telegraph oder auch die New York Times. "Der größte Erkenntnisschritt in der Biologie, ja vielleicht in der gesamten Naturwissenschaft, wurde von einer Gruppe von Männern Mitte des 19. Jahrhunderts vollzogen und dementsprechend finden sich darin bestimmte Annahmen bezüglich der Natur von sozialem und biologischen Geschlecht.", schreibt Cooke einleuchtend.

Zwischen Sex und Gender

Schon in der Einleitung geht es klar zu Sache. Als Angehörige des weiblichen Geschlechts hätte sie sich allzu oft als Verliererin gefühlt, schreibt Cooke. In Bezug auf den vielsagenden Titel ihres Buches, "Bitch", schreibt sie: "Weibchen können durchaus treu sein, doch nur sieben Prozent der Arten sind sexuell monogam - somit sind viele Weibchen `untreu´." Wer jetzt aber von der Natur auf die Menschen schließt ist im binären System gefangen, das es so eigentlich gar nicht gibt. Der Kampfbegriff "Bitch" - der zuerst vor allem eine Beleidigung für selbstbestimmte Frauen war, die sie einfach nahmen, was sie wollten - ist zugleich ein Programm. Denn Frauen wollen nicht mehr Opfer sein, sondern genauso wie Männer einfach tun, was sie wollen. Überhaupt sind die Begriffe Mann und Frau sowieso überholt. Und wer von tierischem auf menschliches Verhalten schließt, der hat Darwin einfach falsch interpretiert. Bitch - das Buch - ist somit ein wertvoller Beitrag, ein außergewöhnliches Buch, das unsere (binäre) Sicht der Welt sicherlich verändert. Lucy Cooke zeigt kannibalische Gottesanbeterinnen oder Lemurenweibchen, die die Männchen ihrer Art physisch und politisch dominieren. Oder Albatrosweibchen, die sich zusammentun, um ihren Nachwuchs gemeinsam großzuziehen. Festzuhalten gilt: "Weibliche Tiere sind genauso promisk, kompetitiv, aggressiv, dominant und dynamisch wie männliche.", schreibt Cooke. Eine verdienstvolle Publikation, die noch sehr viel (mehr) Aufmerksamkeit verdient hat.

Lucy Cooke
Bitch.
Ein revolutionärer Blick auf Sex, Evolution und die Macht des Weiblichen im Tierreich
Übersetzt von: Susanne Warmuth, Jorunn Wissmann
2023, Hardcover, 432 Seiten
ISBN 978-3-89029-582-4
Malik Verlag
€ 22,00 [D], € 22,70 [A]

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2023-12-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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