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Rezensionen


 
Virginie Despentes - Baise-moi – Fick mich. Roman
Buchinformation

Manu und Nadine sind beide auf der Flucht: vor einem gewalttätigen Milieu dem sie sich ebenso gewalttätig entgegengestellt haben. Die Leichen fallen wie Herbstlaub in diesem erstmals 1994 erschienen Gewalt-Schocker der französischen Schriftstellerin. Ohne den gleichnamigen Film, der danach erschien, gesehen zu haben, wirkt der Roman vor allem aufgrund seines Jargons und des Gossenmilieus. Eine wilde Raserei mit den Suicidal Tendencies als Soundtrack.

Whisky und Schokolade als Benzin

Virginie Despentes machte in ihrer 2018 später erschienenen Kampfschrift "King Kong Theorie" (ebenfalls bei KiWi erschienen) klar, worum es ihr beim Schreiben geht. Mit ihrer Vernon-Subutex-Trilogie schrieb sie sich in den Olymp der französischen Schriftsteller:innen und wurde zu einer der lautesten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihr letzter Roman - "Apocalypse Baby" wurde sogar mit dem Prix Renaudot ausgezeichnet. "Baise-moi – Fick mich" war ihr Debütroman, sie war damals gerade einmal dreißig Jahre alt und hatte selbst eine traumatische Erfahrung hinter sich. Baise moi ist ein wütender Rachefeldzug in dem die beiden Akteurinnen wild um sich schießen und in einem wilden Roadmovie alles auf eine Karte setzen. Obwohl ihr Leben durch Drogen und Gewalt nicht besser wird, können sie sich dem einmal entsagten Tabubruch nicht mehr entziehen. Sie töten aus reinem Spaß am Töten, ohne Grund, einfach weil es ihnen so in den Sinn kommt. Einfache Menschen müssen ebenso dran glauben wie Waffengeschäftsbesitzer oder Architekten. Whisky und Schokolade dienen dabei als Benzin, Rache als Motor. Es gibt kein Halten mehr, bis es dann auch eine von ihnen beiden erwischt. Erst dadurch wird die Raserei der beiden gebremst und kommt endlich zu einem Stillstand. Auch die derbe Sprache verstummt. Nachdem sowohl der Roman als ebenso die Verfilmung unter der Regie von Virginie Despentes selbst zum internationalen Skandal gerieten, wurde auch die Geschichte der Entstehung dahinter publik. Private Details sparen wir hier zwar aus, aber es kann dennoch gesagt werden, dass eine Kurzgeschichte der amerikanischen Autorin Kathy Acker die Autorin einst inspirierte, ihren eigenen Weg zu gehen.

Gewalt-tätige Sprach(-losigk-)e(-it)

Der erste Satz besagter Story lautete: "I want you to fuck me i want you to fuck me twice". Was Virginie Despentes daran verblüffte war weniger die Gossensprache, als vielmehr, dass es eine Frau sagte: "Als ich verstand, dass die Autorin eine Frau war, war ich erstaunt – und dann war ich erstaunt, dass es mich erstaunte, denn: Warum nicht? Da wurde mir klar, wie sehr ich mich als Mädchen beobachtet gefühlt habe. Wie viele literarische Räume schienen deswegen verboten zu sein, aufgrund meines mir zugewiesenen Geschlechts außerhalb meiner Reichweite zu liegen. Ich suchte und las jedes Werk, das ich von Kathy Acker finden konnte – sie war bei dem interessantesten französischen Verleger der 80er Jahre: Christian Bourgois. Und ich habe nie die Kurzgeschichte gefunden, die mit den Worten 'i want you to fuck me i want you to fuck me twice' beginnt, vielleicht habe ich mir das auch nur ausgedacht – wie auch immer, ich habe Kathy Acker gelesen und ihre Arbeit hatte einen großen Einfluss auf mich als Leserin – und als Schriftstellerin." Seither versucht die Autorin auch jenen eine Sprache zu geben, die sich ansonsten nur in dieser Art Floskeln ausdrückt: J'écris de chez les moches, pour les moches, les frigides, les mal baisées, les imbaisables, toutes les exclues du grand marché à la bonne meuf, aussi bien que pour les hommes qui n'ont pas envie d'être protecteurs, ceux qui voudraient l'être mais ne savent pas s'y prendre, ceux qui ne sont pas ambitieux, ni compétitifs, ni bien membrés."

Virginie Despentes
Baise-moi – Fick mich. Roman
Übersetzt von: Jochen Schwarzer, Kerstin Krolak
2023, Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-462-00591-2
KiWi-Taschenbuch

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2024-03-12)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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