Archiv klassischer Werke


 
Buchvorstellung
Ovid -  bestellen
Ovid:


Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)
Die Weltalter
Ovid

Erst entsproßte das goldne Geschlecht, das, von keinem gezüchtigt,
Ohne Gesetz freiwillig der Treu und Gerechtigkeit wahrnahm.
Furcht und Strafe war fern. Nicht lasen sie drohende Worte
Auf dem gehefteten Erz; nicht bang vor des Richtenden Antlitz
Stand ein flehender Schwarm: ungezüchtiget waren sie sicher.
Nie vom eignen Gebirg', um der Fremdlinge Welt zu besuchen,
Stieg die gehauene Fichte hinab in die flüssige Woge:
Außer dem ihrigen kannten die Sterblichen keine Gestade.
Noch umgürteten nicht abschüssige Graben die Städte.
Nicht die grade Drommete von Erz, noch gewundene Hörner,
Auch nicht Helm war jetzo, noch Schwert: und der Söldner entbehrend,
Lebeten nun sorglos in behaglicher Ruhe die Völker.
Selbst annoch, unbeschatzt, und dem Karst nie pflichtig, noch jemals
Wund vom schneidenden Pflug, gab freudiger alles die Erde;
Und mit den Speisen vergnügt, die sonder Zwang sich erhuben,
Pflückten sie Arbutusfrucht, und des Bergtals würzige Erdbeern,
Auch des rauhen Geranks Brombeer, und die rote Kornelle,
Und vom gebreiteten Baume des Jupiter fallende Eicheln.
Ewig waltete Lenz, und sanft mit lauem Gesäusel
Fächelten Zephyrus Hauche die saatlos keimenden Blumen.
Bald auch gebar Feldfrüchte der ungeackerte Boden,
Ohn' Auffrischung ergraute die Flur von belasteter Ähre.
Rings nun Bäche von Milch, rings walleten Bäche von Nektar;
Rings auch tröpfelte gelb aus grünender Eiche der Honig.

Als Saturnus versank in des Tartarus Dunkel, und herrschend
Jupiter lenkte die Welt; da erwuchs die silberne Zeugung,
Weniger köstlich denn Gold, doch mehr als rötliches Erz noch.
Jupiter engte nunmehr der Urwelt ewigen Frühling,
Sonderte Winter, und Gluten, und herbstliche Ungewitter
Vom kurzblühenden Lenz, und schuf vier Räume des Jahres,
Jetzo geschah, daß die Lüfte, von trockener Schwüle gesenget,
Glüheten, und vor dem Winde das Eis hartstarrend herabhing.
Jetzo suchten sie Häuser zum Schirm: ihr Haus war die Höhle,
Oder ein dichtes Gestaud', und mit Bast verbundene Reiser.
Jetzt ward Samen der Ceres in langgezogenen Furchen
Untergescharrt, und es seufzt' im drängenden Joche der Pflugstier.

Hierauf folgte das dritte Geschlecht, von eherner Zeugung,
Wütender schon von Natur, und gewandt zu schrecklichen Waffen;
Doch unsündig annoch. Darin schloß die eiserne Abart.

Stracks nun stürmte daher in die Zeit der schlechteren Ader
Jeglicher Greu'l: es entflohen die Scham, und die Treu', und die Wahrheit;
Deren Stell' einnahmen der laurende Trug und die Arglist,
Heimliche Tück', und Gewalt, und die frevelnde Sucht zu gewinnen.
Unbekannteren Winden entfaltete Segel der Schiffer;
Und da sie lang' untätig auf luftigen Bergen gestanden,
Wagten die Kiele den Sprung durch nie erkundete Wasser.
Auch die Erde, zuvor wie Luft und Sonne gemeinsam,
Zeichnete jetzt vorsichtig mit langer Grenze der Messer.
Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefen der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen.
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
Nun lebt alles vom Raub, kein Gastfreund schonet den Gastfreund,
Noch der Eidam den Schwäher; auch liebende Brüder sind selten.
Meuchlerisch stellet das Weib dem Gemahl nach, dieser der Gattin;
Und Stiefmütter bereiten aus falbem Kraute den Gifttrank;
Selber auch späht voreilend der Sohn nach den Jahren des Vaters.
Frömmigkeit sank vor Gewalt; Asträa selber, die Jungfrau,
Floh, der Himmlischen letzte, die blutgefeuchteten Länder.

versalia.de empfiehlt folgendes Buch:
Ovid - Metamorphosen



Hinweis: Sollte der obenstehende Text wider unseres Wissens nicht frei von Urheberrechten sein, bitten wir Sie, uns umgehend darüber zu informieren. Wir werden ihn dann unverzüglich entfernen.

 

Aus unseren Buchrezensionen


Unsere inneren RessourcenJun, Gerda:
Unsere inneren Ressourcen
Es ist eine Binsenweisheit, dass viele Menschen nicht wirklich zufrieden mit sich sind. „Da wäre doch noch mehr möglich“ ist ein Gedanke, oder:“Warum gelingt mir nicht, was ich mir vorgenommen habe“. Letztlich die Frage: „Warum bin ich eigentlich, wie ich bin und muss das so bleiben“? Oft gelingt es eben nicht, jene [...]

-> Rezension lesen


 Hendrikje, vorübergehend erschossenPurschke, Ulrike:
Hendrikje, vorübergehend erschossen
Der Titel deutet schon an, mit welchem Genre es der Leser zu tun bekommt: „Hendrikje, vorübergehend erschossen“ ist der Versuch eines makaber-humorvollen modernen Schelmenromans. Hendrikje ist eine Hamburger Malerin, hat ihre erste große Ausstellung in Aussicht und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Kellnerin. Sie wird [...]

-> Rezension lesen


Hannibal - ein biografisches PorträtGünther, Landa-Marie:
Hannibal - ein biografisches Porträt
Umfassend recherchierte und fachlich detailgetreue Geschichte als lebendiges Leseerlebnis. So stellt sich das "biografische Porträt" Hannibals, des Feldherren Karthagos, dar. Der Zug Hannibals mit seinem Heer samt Elefanten im Winter über die Alpen gegen das römische Imperium, entbehrungsreich und voller Opfer, ist eines [...]

-> Rezension lesen


 Ich will nicht mehr zwanzig seinRupps, Martin:
Ich will nicht mehr zwanzig sein
Nach dem großen Erfolg seines Blickes auf die „geburtenreichen Jahrgänge“ (Babyboomer) nun das neueste Werk des geschärften Blickes auf die Generation, die demnächst das demoskopische Problem Deutschlands darstellen wird. Vorwegnehmend: Mit einem wunderbaren Humor und in gewohnt fließendem Stil ein reines Vergnügen. Nicht nur [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2019 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.027231 sek.