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Paradigma

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Autor
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Thema: Paradigma
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bodhi
Mitglied
   741 Forenbeiträge seit dem 08.12.2004

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 01.10.2005 um 08:52 Uhr |
Paradigma
Stelle alle deine Oktober nebeneinander
drehe sie im Rechten Winkel
gegen-uhrzeigersinnig im Vakuum
dann waagrecht
einmal um sich selbst
kippe sie, bis sie zwischen
Horizont und Regenachse
nicht-hängend schweben
bestreue sie mit Estragon
lecke sie ab
koloriere nach
und dimme den Kontrast herunter
komponiere eine Sinfonie in B-Moll dazu
filtere die Blechbläser raus
mit dem Mischpult der Willkür
gib den Streichern eine Saite Bonus dazu
und fülle die Hörner mit Wasser
intensiviere den Waldbodenduft
mit dem Schieberegler
lass die Pilze stehen
- mein scharfklingiges Tranchiermesser! -
fälle die Ahornbäume mit einem Blick, lautlos
puste deren Blätter in den Wind
fliege ihnen nach
höre die leere Schwärze des Morgen
lande weich mit Entenflossen
über dem Andreasgraben
schwimme nirgendwo hin
tauche salzig
steige auf im Dunst
Überhole den Pelikan
Kranich-reitend
und vereinige dich
mit der smaragdenen Felswand
auf dem Schneehügel
- Scheite züngeln Hitze zum Kristalltanz -
lösche die nicht-gelernten Worte
der ungedachten Gedanken
desinfiziere chemisch
deine Gehirnareale
infiltriere
deine gestrigen Wahrheiten
mit Xenon-Keimen
verrate dich selbst
erfinde dich neu
hast nie gelebt
wie du nie gestorben sein wirst
der Streichholzelefant
aus Zimmer Nummer Fünf
brennt kalt
zündet man ihm
die Sulfurrüsselspitze an
mit dem Benzinfeuerzeug
Potenziere Resultate
zehn hoch neun
schreibe ihnen
eine Abhandlung darüber
kassiere Gold
ernte Reaktionen
packe sie in die Kiste
mit dem Zahlenschloss
vergiss die Kombination
vergrabe sie tiefspatig
und schaue nicht
nach den neuen Trieben und Blüten
der farblosen Farben
Gehe fließe fliege weiter
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 263 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 27.01.2026 um 10:15 Uhr |
Ich stelle es mal hier hin, weil es einer der ältesten Texte ist, die ich hier exhibitionierte (und wiederfand), die 1. schon mal in einer Literatur-Antho waren, die 2. in meinem ersten Buch waren, das seinerzeit unter dem Titel quodlibet – Gedichte – Geschichten – Experimentalien im Iatros-Verlag erschienen war (2008).
Warum ich aber hier schreibe: meine ersten beiden Bücher habe ich, nunmehr Rentner und mehr Zeit und Muße als seinerzeit im fremdbestimmten Vertriebsmühlrad, renoviert. Die Inhalte wurden auf seinerzeitigem Level belassen, was Stil und Sinn anbelangt; kleinere Schliffe wurden geschliffen hinsichtlich Form.
Extrem ungern mache ich Werbung, schon gar nicht für meine eigenen Bücher; doch ich weiß, dass es Interessenti gibt, und denen möchte ich die Information nicht vorenthalten.
Buch1 heißt jetzt Jalousien im November – Geschichten – Gedichte – Artverwandtes und ist im Buchhandel erhältlich.
https://buchhandel.de/buch/Jalousien-im-November-9783695709052
Buch2 heißt immer noch Das Leuchten der Blüten der Kapuzinerkresse und ist, ebenso renoviert, im Buchhandel erhältlich.
https://buchhandel.de/buch/Das-Leuchten-der-Blueten-der-Kapuzinerkresse-9783819 294600
Die weiteren Geschwisterchen finden sich auf meinem Blog.
https://wildkatzeundpfirsich.wordpress.com/2023/05/07/bucher-aus-der-feder-von-wildkatze-und-pfirsi ch/
Dank an den Betreiber von versalia.de, es war und ist mir stets ein fruchtbares Tummelfeld.
Möge es pläsieren. Danke.
Mairübchen machen schön
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| 2. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 28.01.2026 um 19:59 Uhr |
Wie gut kennst du den Autoren noch, der damals diese Texte geschrieben hat?
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 263 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 3. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 29.01.2026 um 01:30 Uhr |
Zitat:
Wie gut kennst du den Autoren noch, der damals diese Texte geschrieben hat?
Für erfundene Kurzgeschichten: Ach ja, kann mich erinnern. Vielleicht liebevolles Mitgefühlslächeln. Diskrete Distanz, so die Richtung.
Es gibt allerdings auch Texte, besonders, wenn sie die Zeit als Vater der heranwachsenden Kinder thematisieren und Kurzaufnahmen von Stimmungen sind, da geht es auch heute noch an mich. Allerdings gesundheitsverträglich.
Danke für die interessante Frage. Könnte man viel zu schreiben. Du sicherlich auch, der Du auch noch mit älteren Deiner Texte arbeitest? Habe ich das so richtig formuliert?
Mairübchen machen schön
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| 4. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 29.01.2026 um 09:11 Uhr |
Ja, hin und wieder setze ich mich meinen früheren Selbsten aus, indem ich lese, was sie produziert haben. Das ist häufiger unangenehm, oft aber denke ich auch: Klasse, vielleicht sogar: Für mich nicht mehr erreichbar.
Ich entdecke manchmal Texte oder ganze Manuskripte, die ich kaum noch einordnen kann. Manchmal schmunzele ich dann beim Lesen, manchmal bin ich leicht erschrocken. Zuletzt habe ich mich 2021 intensiver mit meinem Frühwerk beschäftigt, das war in einer produktiven Dürrephase.
Interessanterweise hat das wie ein endgültiger Schlussstrich gewirkt, der mir neue Horizonte eröffnete. Kurz darauf bin ich in einen jahrelangen Schaffensrausch geraten, der bis heute anhält. Allein dieses Jahr gibt es drei Buchprojekte, die veröffentlicht werden sollen. Gestern habe ich das Probeexemplar für das erste angefordert …
So aufgeregt war ich dabei noch nie.
Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinen Überarbeitungen. Die Feinschliffe interessieren mich: Wie viel hast du nachträglich noch geändert? In meinem “Heft” habe ich damals 3, maximal 5 Wörter geändert. Auch aus deinem “Klappentext” klingt ja großer Respekt für das ursprüngliche Werk heraus.
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 263 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 5. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 29.01.2026 um 10:14 Uhr |
Ich habe etwa Mitte letztes Jahr (Rente …) angefangen, alles durch die bekannte Hetzerei in Job etc. Liegengelassene nachzuarbeiten, neu zu sichten, neuen Ordner angelegt (EDV) Texte die bleiben dürfen, viel gelöscht (es war nicht die erste größere Aktion dieser Art) vor dem Hintergrund der Imagination, was gelesen werden kann, wenn ich mal nicht mehr wandele. Diese Vorstellung nützt sehr. Manchmal bin ich auch kurz vor der Totallöschung, wer kennt es nicht. Ein Riesenakt an sich schon bei ca. 1200 Texten aller Art. Raus flogen vor allem gewaltige Schimpfereien z. B. auf mir Nahestehende (wenn auch als nicht autobiografisch tituliert) sowie allzu Plattes (alles bringe sogar ich dann doch auch nicht in Buch).
Dabei stieß ich unweigerlich, da im großen Meta-Inhaltsverzeichnis verzeichnet, zwangsläufig auf die Vermerke, welche (der zu löschenden) Texte in welchen Büchern sind; denke/dachte mir, kannste da nicht drin lassen. Zu Deiner Frage: die Schliffe hauptsächlich an der Form. Vereinheitlichung von … also Auslassungspunkten, Apostrophe usw. Wenige Texte herausgenommen. An den Texten selbst nichts gebastelt, oder sehr sehr wenig. Die waren ja bereits mehrfach gewendet u. a. auch schon in kleineren Lit.-Zeitschriften etc. Nur bei gravierenden Auffälligkeiten, z. B. in zwei aufeinander folgenden Sätzen 2 x „derweil“ verwendet, griff ich ein. Und auch Mini-Fehler. Soll man nicht glauben, wie oft man einen Rechtschreibfehler übersehen kann, und andere auch, die gelesen haben. Wo ich dann denke: verdammt, wieso hat das eigentlich noch niemand bemerkt, reklamiert? Und die Cover neu gestaltet.
Ah doch, eine Witzigkeit habe ich mir dann doch erlaubt zu ergänzen. In Buch 2, also Das Leuchten der Blüten der Kapuzinerkresse, gibt es eine Auseinandersetzung der Texte im Inhaltsverzeichnis mit den Seitenzahlen. Das war in den vorherigen Ausgaben nicht. Da ritt es mich. :) Deswegen auch abgebildet in Blog:
https://wildkatzeundpfirsich.wordpress.com/2026/01/16/das-leuchten-der-bluten-der-kapuzinerkresse-i nhaltsverzeichnis-erste-seite/
Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Projekten und bin gespannt. Habe auch noch zwei Bücher in der Mache. Dauert aber noch.
Mairübchen machen schön
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| 6. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 29.01.2026 um 20:00 Uhr |
Danke, den wünsche ich Dir auch!
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