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Literaturforum: Email for me


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Forum > Sonstiges > Email for me
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 Autor
 Thema: Email for me
LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 11.08.2006 um 03:56 Uhr

Bei aller argwöhnischen, anfänglichen Skepsis neuer Technik gegenüber, muss ich nun an dieser Stelle doch einmal geradeheraus gestehen: Was bin ich froh, dass ich einen Rechner mein Eigen nennen darf!
Nicht nur, dass ich mit diesem Wunderwerk moderner Datenübertragung so schön arbeiten, verwalten und mit Euch kommunizieren kann, nein, ich bin auch viel beliebter geworden. Woran ich das merke? Na ja, an der Post. Früher lag natürlich auch der eine oder andere freundliche Brief im dafür vorgesehenen Kasten neben der Haustür, aber eben nur der eine oder andere, vielleicht eine handvoll pro Woche. Jetzt aber, seitdem ich Emails empfangen kann, überschüttet man mich förmlich mit liebenswerten Schreiben. Selbst Menschen, von denen ich niemals vorher gehört habe und die aus weit entfernten Ländern kommen, möchten unbedingt meine Bekanntschaft machen und mir weiterhelfen, wo sie nur können. Da stört es mich natürlich nicht, dass manche Briefe ein wenig holprig klingen.
Unter den vielen Zuschriften sind so reizende Einsendungen! Häufig schreibt mir irgendjemand eigens aus Amerika, dass er mir gern Geld leihen würde. (Oh, er muss wohl meine Vermögensverhältnisse kennen.)
Andere bieten mir die herrlichsten Uhren und Schmuckstücke zu ganz fantastischen Konditionen an, was mich selbstverständlich sehr stolz und verlegen macht. Einige sind auch auf meine Gesundheit bedacht und möchten mir allerhand Arzneimittel senden, die es offenbar in unseren hiesigen Apotheken gerade nicht mehr gibt.
Am meisten freue ich mich allerdings über die zahlreichen, überschwänglichen Angebote, mir ein Körperteil, welches ich leider gar nicht besitze, um mehrere Zentimeter zu verlängern, so dass ich künftig nicht mehr "the small guy in the club" sein würde. Und damit dieses Körperteil dann auch wunschgemäß funktioniert, möchte man mich mit diversen hervorragenden Tabletten versorgen.
Ich weiß gar nicht, was ich zu so viel Herzlichkeit noch sagen soll! Da behaupte noch einer, die Menschen wären heutzutage egoistisch und würden sich nicht mehr um andere Leute kümmern.
Schade, dass auf Emails keine Briefmarken sind. Dann hätte ich jetzt schon ganze Reihen aus aller Herren Länder.

So, und nun tut nicht so, als würdet Ihr ebenfalls so schöne Briefe kriegen, sonst bin ich sehr gekränkt und enttäuscht.

Liebe Grüße Eure

Leilah


Gezeitenlos
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Hermes
Mitglied

447 Forenbeiträge
seit dem 23.01.2006

Das ist Hermes

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 07:55 Uhr

Nein, wirklich nicht; Du bist zu beneiden. Dass Menschen so nett und zuvorkommend sein können, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht kannst Du mir mal in einer ruhigen Stunde Dein grosses Geheimnis verraten, wie man sich so beliebt und bekannt macht, denn solche Briefe bekäme ich auch gern!

Ein herrliches Thema, herzlich und amüsant geschrieben, wirklich: Kompliment.


Diffuses Halbwissen.
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Shiningmind
Mitglied

78 Forenbeiträge
seit dem 07.10.2005

Das ist Shiningmind

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 10:50 Uhr

Hier blinzelt wieder ganz die Satirikerin durch und ich muss es ehrlich gestehen: Ich liebe deine Ironie, deinen Sarkasmus, einfach dein Humor. Mach ja weiter so!! Selbst Komödianten, die man so vom Fernesehen kennt, schaffen es nicht mir ein lustiges Lächeln hervor zu zaubern. Du jedoch schafftst das mit wenigen Worten...endlich darf ich lachen!


Das Denken an sich kann ein wundervolles Abenteuer sein. Wer aber ZU viel denkt, der sperrt sich selbst in Käfige.
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LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 17:15 Uhr

Mensch, Jungs,
nicht so doll loben, sonst werde ich ganz verlegen...obwohl eigentlich...wen stört´s schon, wenn ich verlegen werde...sieht ja keiner...
Danke schön!

Weil Ihr so nett wart, habe ich mich entschlossen, Euch zu verraten, wie Ihr in Zukunft auch so liebe Briefe kriegen könnt, aber pssst...Muss ja nicht jeder mitkriegen. Kommt mal ein bisschen näher an den Bildschirm... noch ein bisschen...Stoooopp!
Hermes, bitte wieder ein Stückchen rückwärts, sonst schielst Du. Okay.
Also: Ich glaube, Ihr müsst einfach nur Eure Emailadresse in solchen Foren wie hier veröffentlichen und Euren Spam-Filter am Rechner deaktivieren.
Aber das bleibt bitte unter uns! Wenn die Anderen das spitz kriegen, bekomme ich womöglich nachher nicht mehr so viele Briefe. Die Absender können sich ja schließlich nicht die Arbeit machen, uns allen so persönlich zu schreiben.

Alternativ könntet Ihr sicher auch - was ich allerdings nicht probiert habe, wie ich betonen möchte - ein paar gelungene Aktfotos von Euch ins Netz stellen und die Emailadresse dazu. Die Zuschriften werden dann zwar einen etwas anderen Tenor haben, aber was soll´s. Hauptsache Fanpost, oder?

Viele Grüße

Leilah


Gezeitenlos
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Matze
Mitglied

719 Forenbeiträge
seit dem 09.04.2006

Das ist Matze

     
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 19:30 Uhr

Der Abschied von alten Denkmustern fällt immer schwer, aber wer unsere Zeit verstehen will, muss sich damit abfinden, dass das von Trendforschern ausgemachte Globalisierung mit den Kategorien rechts und links, konservativ und progressiv nicht zu fassen ist. Die Behauptung vom „Krieg der Kulturen“ ist nicht von Samuel Huntington erfunden worden. Vom "guerre des cultures" schrieb Julien Benda in seinem 1927 erschienenen Buch »La Trahison des Clercs«: „Dass der politische Krieg den Krieg der Kulturen impliziert, ist eine Erfindung unserer Zeit, und sichert ihr einen herausragenden Platz in der Moralgeschichte der Menschheit. Heute stellt jedes Volk selbstverliebt seine ganze Kultur „allen anderen Völkern entgegen.“ Bis jetzt sind intra-kulturelle Konflikte blutiger verlaufen und haben weit mehr Opfer gekostet als Kriege zwischen den Kulturen. Benda fragt sich, seit wann innerhalb des christlichen Abendlandes Kriege durch den Rückgriff auf kulturelle Wertvorstellungen gerechtfertigt wurden. Die mörderische Gegenwart besteht nicht zuletzt aus den Ausläufern der altvorderen Zeiten. Zu denken ist an den "Vampirismus" von Elisabeth Bathory, die im Blut junger Mädchen gebadet haben soll, und an die königlichen Grausamkeiten eines Louis XI, Zeitgenosse von Vlad Tepes, der seine sich schuldig gemachten Untertanen enthäutete, kastrierte, zerstückelte, ihnen die Gedärme ausnahm und die Glieder entriss; die Geldfälscher ließ er angeblich verbrühen, den Verbrechern riss er die Augen aus, den kleinen Dieben schnitt er die Nase oder die Hand ab. Und der Fürst von Walachien, "Drakula", der alle Bettler, Kranken und Traurige, alle Leidenden nach der Spendierung einer üppigen Mahlzeit verbrennen ließ? Der Hexenjagd? (thematisiert auch von Arthur Miller). Die Inquisition? Der Tod von Galilei? Goyas Monster? Es gibt durch die Epochen eine Analogie, wenn nicht sogar eine Identität der tiefen Gesetzte des Pathologischen und des Normalen (die Claude Bernard in den Annuaires de la Physiologie unterstreicht). "Normales", Paranormales (Dämonisches) und Psychotisches werden in unserer Zeit neu beigemischt und als Kunst salonfähig gemacht. Die moderne Gesellschaft hat sich in Täter, Voyeure (passive Mittäter) und Flüchtlinge immer mehr verzweigt. Eine Gesellschaft, die das fremde Unglück pervers und schadenfroh konsumiert: Es sind die Anderen, die sterben, möglichst an fernen Stränden, dann ist die Spendenbereitschaft besonders hoch! Kosmopolitisch sein zu wollen, ohne die äußerst heterogene Kultur verinnerlicht zu haben, ist ein Oxymoron, und außerdem natürlich ökonomisch äußerst kontraproduktiv. In diesen gibt es keine kulturellen Ressentiments; It´s the economy, stupid – in der gehobenen Klasse, die um die Ökonomie herum gruppiert ist und vorwiegend mit kulturellen Codes agiert, ist diese Form der Abgrenzung vollkommen sinnlos. Es gibt jedoch Konstanten in der Geschichte, wie auch im Vergleich mit den konkurrierenden kapitalistischen Ländern. Immer sind es Männer, die mit Macht und Geld – in Abwesenheit beider auch mit Angeberei – die Regeln diktieren, Business–Machos, die dauernd entweder nach der Trophy–Woman oder dem Zweit– oder Drittnest in den wechselnden Metropolen suchen. Ohne solche Typen scheint keine Modernisierung der Geschäftemacherei vonstatten gehen zu können. Gehören dazu: Das tägliche Mobbing? Der Psychoterror? Die Pornographie bis zur Übersättigung? Die Demagogie bis zur Übersättigung?

Grüßken, Matze

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Gast873
Mitglied

1457 Forenbeiträge
seit dem 22.06.2006

Das ist Gast873

     
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 21:45 Uhr

Grüße Dich Matze,

wenn die Poesie der distalen Perforierung, die Koordinatenschnittpunkte des erregten Wortwitzes und der aufgegeilten und unbefriedigten Spaßgesellschaft nicht per se von einem Migräniker aus Sils Maria wie Rasierklingen in die Haut der Schwachen einritzend herabregnen, was den violett schimmernden Himmel der geistigen Elite konvulsivisch kaum berühren kann, aber virulent sich manifestiert, indem das Geschriebene das intellektuelle Diktat ist, und wie ein d-Moll sich die Saiten entlang heran schleicht, wo bleibt dann, um das Refugium der Friedhofruhe nicht zu zerstören, gebaut auf dem seichten Nebel-Wasser, nicht aus der Mutter Erde, sondern aus Erebos hervor, quellend und sprudelnd aus Hades und Styx, das musikalische pränatale Leid und psychogene Archetypen der geistigen Libertins, wie Du und Ich qua „Amateure“, das absolute Ich und Nicht-Ich ohne auf den zensierten Beigeschmack der Nervengifte blind rekurrieren zu wollen, wo bleibt der Non-Sense der Räson, das Unverborgene, die Pallas Germania in der Philosophie, wo sind die irren Dichter mit ihrem Lieblingsspielzeug, der Sprache, denen man auf Grabsteinen noch wird nachrufen können: morituri te salutant, wo sind all die Wortakrobaten, die in den Hekatomben des heutigen Wahnsinns uns mit dem Wahnsinn der schönen Sprache zu impfen vermögen, wo ist noch ein kranker Hund, der uns mit seiner Tollwut beißt, dass wir aufschreien vor lauter Erkenntnissen, dass es weh tut, dass wir aus diesem konzentrierten Schein, der sich zu einem solchen immer mehr verfestigt hat, dass, würden wir ihn als Schein entlarven und dechiffrieren, es gleich wieder einer Halluzination gleichen würde, wo bleibt da noch die blutige selbstbefreite Arche Noah, wer kann dann noch von sich sagen und assertorisch in doppelten Negationen behaupten: Ich schwimme weder mit noch gegen den Strom, sondern ich sehe den anderen beim Schwimmen zu, wer ist da noch gefeilt vor dem Ressentiment der Dummheit, der Entfremdung von Subjekt und Objekt?

Schönen Gruß an Dich,
Hyperion

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Matze
Mitglied

719 Forenbeiträge
seit dem 09.04.2006

Das ist Matze

     
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 11.08.2006 um 23:05 Uhr

Zitat:

das absolute Ich und Nicht-Ich ohne auf den zensierten Beigeschmack der Nervengifte blind rekurrieren zu wollen,

Das ich ist umgeben vom nICHts. Nicht mehr, eher weniger. Vielleicht sollten wir uns nicht so ernst nehmen!?!

Joote Nacht, Matze

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LeilahLilienruh
Mitglied

44 Forenbeiträge
seit dem 16.01.2006

Das ist LeilahLilienruh

     
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.08.2006 um 03:58 Uhr

Diese Nachricht wurde von LeilahLilienruh um 04:07:41 am 12.08.2006 editiert

Lieber Hyperion,

ich danke Dir für Deine klaren Worte. Das musste endlich einmal gesagt werden und besonders in diesem Zusammenhang!


Gezeitenlos
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Sophie
Mitglied

10 Forenbeiträge
seit dem 15.08.2006

Das ist Sophie

     
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 15.08.2006 um 22:24 Uhr

Eine wirklich witzige, kurzweilige Satire! Prima Idee, schade, dass sie nicht von mir stammt. Wir saßen gerade zu fünft vorm Rechner und haben uns köstlich amüsiert.

Eine Frage nur an Matze: Inwiefern hat Dein Kommentar mit dem Text und den vorhergehenden Beiträgen zu tun? Darüber und generell über den Exkurs herrscht hier gerade etwas Ratlosigkeit, obwohl sich sowohl Literaturwissenschaftler als auch Soziologen unter uns befinden.

Grüße
Sophie


In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich. (Voltaire)
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Gast873
Mitglied

1457 Forenbeiträge
seit dem 22.06.2006

Das ist Gast873

     
9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 30.11.2006 um 23:55 Uhr

Ich glaube ich werde verrückt, und das Schlimme ist, dass die Zwangsjacke der Erkenntnis mir gut steht.

Nur Spaß!

Gruß
Scardanelli, der Eremit

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