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Literaturforum: Womöglich zu pathet. Gestus für d. heutige Zeit -


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Forum > Lyrik > Womöglich zu pathet. Gestus für d. heutige Zeit -
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 Autor
 Thema: Womöglich zu pathet. Gestus für d. heutige Zeit -
unverwundbar
Mitglied

23 Forenbeiträge
seit dem 24.12.2006

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 23.02.2007 um 18:19 Uhr

Wir lagen im Winter, dein fiebernder Leib. Wir tranken
das Dunkel der Nacht.

Im Stundwerk der Liebe verdurstet die Zeit. Wir lagen
gefleht ineinander. Das Wüste im offenen
Herz, wir erlagen dem schüchternen Wahn.
Es sprach die erschöpfte Nacht zu uns.

Dein wildes Haar, ich schlief Tage und Nächte
darin, lag als Wunde mir
auf der Brust. Lag mit dem Urnenmund
mir auf der Brust.

Der Blutkelch in deinen Augen, daraus
trinken die Toten und sehen. Winterblinde: erliegst
meinem Kummer. Das Blutreich
in deinen Augen.

Sieben Lippen nachdem: dein Piniengebein, es
richtete mich und das stillende Nein. Warf
Dunkel zwischen Wände, die kalt
waren für zwei. Ein Flüstern, so schwarz
wie mein Winden in dir: der Wahrheit
ein Auge.

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bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 23.02.2007 um 22:20 Uhr

Wertung ist ja immer subjektiv, und ich werte jetzt mal den Text subjektiv auf einer Skala von ----- bis +++++ bei +++++, weil ich´s immer wieder lesen kann.

Bleibt die Frage:
Zitat:

Wir lagen im Winter, dein fiebernder Leib. Wir tranken
das Dunkel der Nacht.

War das Fieber dann weg?

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unverwundbar
Mitglied

23 Forenbeiträge
seit dem 24.12.2006

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 23.02.2007 um 22:25 Uhr

Gott, nein.

-

Danke für die angenehme Rückmeldung, es darf aber durchaus auch kritisch(er) sein. :-)

a.

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bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 23.02.2007 um 22:27 Uhr

Vielleicht kommen ja noch Kritischerere...
Ich beschränke mich aus energetischen Gründen lieber auf die Sachen, die mir gefallen, sonst kommt man ja hier in diesem Forum nicht mehr aus dem Schreiben raus. ;)

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Arjuna
Mitglied

485 Forenbeiträge
seit dem 27.02.2007

Das ist Arjuna

     
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 27.02.2007 um 11:56 Uhr

Verzeih mir,
aber as ist mir ein bisschen zu viel von allem,
lieber "unverwundbar".

Zwei Stellen fielen mir zu Anfang ins Auge:
"dein wildes Haar" - erinnert an Celan -
und " tranken das Dunkel der Nacht" an die "Seefahrer " vonHeym.
Aber das wird Zufall sein.

Du gebrauchst viele vollmundige Worte, stellst aber keine Bezüge her, sondern reihst gefühlvolles Pathos an Pathos .
"Offenes Herz / schüchterner Wahn ( wie kann ein Wahn schüchtern sein? u.a.Logikfehler .)

Mit allem, was Blut ist, wäre ich sehr, sehr vorsichtig - es ist stets schwulstlastig.

Auch "sieben Lippen nachdem" /"dein Piniengebein" "dunkle Wände" /"Flüstern, so schwarz wie mein Winden in dir" ...
(Flüstern ist nicht schwarz, es hat keine Farbe)
Auch bei den schönsten, geheimnisträchtigen Wortschöpfungen hat die Lyrik Anspruch auf Sinnzusammenhang und Klarheit.

Dieser wird aber hier nicht erschlossen.
Ich würde es an deiner Stelle überarbeiten und die Schwulstlastigkeit reduzieren
Weniger ist mehr.
Aber, nix für ungut, wir sind alle nicht vollkommen.
Gruß. Arjuna


- Ich bin nicht immer meiner Meinung - Paul Valéry
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unverwundbar
Mitglied

23 Forenbeiträge
seit dem 24.12.2006

     
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 08.03.2007 um 12:22 Uhr

Liebe Arjuna,

besten Dank für deine kritischen Worte. Nur wenige Sachen:

"schüchterner Wahn" ist keineswegs ein Oxymoron, beinhaltet keinerlei Logikfehler. Schon gar nicht bezogen auf das "Offene Herz", das diesen erst ermöglicht.

Blut ist schwulstlastig, weil man nicht mehr loskommt davon in den heute inflationär geschriebenen Ritzen-Gedichte - da gebe ich dir recht, da es aber ein sehr persönliches (für ein öffentl. Forum womöglich _zu_ persönliches) Gedicht ist (wenn es diesen Terminus überhaupt verdient hat) und das "Blut" sehr beziehungsimmanent ist, ging ich davon aus, dass Blut in einen anderen Kontext als den des jugendlichen Ritzens gebettet durchaus auch anders wahrgenommen werden kann. Du kommst halt von dem Schwall an Blutigem in der heutigen Zeit nicht los, um dem Gedicht neu oder anders zu begegnen. Aber das ist okay, es ist eine andere Sicht auf das Gedicht und sie ist mir mindestens genauso viel Wert wie positive Resonanz.

Andererseits beweist du ja sehr offenkundig, dass dir diese Art Gedicht ohnehin nicht zusagt - wer dem Flüstern sein Schwarz absprechen will, ist hier eben nicht zu Hause. :-) Klar, man benötigt eine Imaginations-, eine Abstraktionslust, wenn die nicht vorhanden ist, dann: steht man halt per se nicht drauf. Wie gesagt, das ist okay, aber so trifft diese spezielle Kritik eben nicht ganz.

Was aber trifft (heißt, was ich annehme): Schwulstlastigkeit reduzieren - den (durchaus vorhandenen) Zusammenhang noch deutlicher herauszubilden -

a.

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LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 08.03.2007 um 12:57 Uhr

Stilistisch empfinde ich die vielen Enjambements etwas befremdlich.


.
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Arjuna
Mitglied

485 Forenbeiträge
seit dem 27.02.2007

Das ist Arjuna

     
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 09.03.2007 um 15:55 Uhr

Lieber unverwundbar,
auch nur wenige Sachen:
bezügl. des "schüchternen Wahn" ´s, bleibe ich dabei, dass dies ein Logikfehler ist. Wahn ist ein Zustand und kann nicht schüchtern sein - der kann gar nichts sein, der west - der Mensch kann durch den Wahn etwas sein : schüchtern o.ä.

Die Sache mit dem Blut bleibt auch heikel, ebenso wie :
schwarz/Flüstern / Dunkel u.ä.,
in der hier gezeigten Form.
Ansonsten mag ich dein Gedicht -
ja , ich finds immer besser, je mehr ich es anschaue -
Gerade die Enjambements gefallen mir sehr!
Die sind gut gesetzt und neutralisieren dezent gegen die von mir als "schwulstlastig" bezeichneten Wendungen an.

Worte wie : Winterblinde / Urnenmund / Piniengebein / der Wahrheit ein Auge -
sind nun sehr feine Kleinode.

nu is aber jut,
Dir viel Spaß und liebe Grüße,
A


- Ich bin nicht immer meiner Meinung - Paul Valéry
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unverwundbar
Mitglied

23 Forenbeiträge
seit dem 24.12.2006

     
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.03.2007 um 19:31 Uhr

Diese Nachricht wurde von unverwundbar um 19:31:56 am 21.03.2007 editiert

Liebe Arjuna,

eben dies meine ich mit Abstraktionslust - natürlich personifiziere ich den Wahn, wenn ich ihn ´schüchtern´ nenne. Ich habe ihn in einer vagen Neufassung jedoch des Adjektivs beraubt - allerdings des Melodischen wegen. ;-)

Was das Blut angeht, ich habe noch mal nachgedacht, stimme ich dir vorbehaltlos zu. Da es aber eben ein unfassbar personenbezogenes Gedicht ist, bleibt dies, wie es ist. Aber prinzipiell: hast du recht.

Was die Enjambements angeht - sie mögen befremdlich sein (auch wenn ich das nicht nachvollziehen kann - aber das ist wertneutral), aber doch gerade für dieses Gedicht, so es diesen Terminus überhaupt verdient hat, unentbehrlich.

Dank und beste Grüße,
a.

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