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Literaturforum: Amphetamin - Film von Scud (Hongkong)


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Forum > Aesthetik > Amphetamin - Film von Scud (Hongkong)
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 Thema: Amphetamin - Film von Scud (Hongkong)
ArnoAbendschoen
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Das ist ArnoAbendschoen

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 25.11.2021 um 16:43 Uhr

„Amphetamin“, 2010 herausgekommen, ist das dritte Werk des Hongkonger Filmemachers Scud. Der Titel zeigt schon an, worum es in der Hauptsache geht: Drogenmissbrauch. Der Streifen, angesiedelt im Jahr 2008, zeichnet das Charakter- und Lebensbild eines jungen Mannes. Ganz hervorragend verkörpert der Schauspieler Byron Pang diesen Schwimmlehrer Kafka – sein Name eine Anspielung auf den Roman „Kafka am Strand“ von Haruki Murakami – und er läuft immer dann zur Hochform auf, wenn er die Figur als „high“ darzustellen hat. Kafkas sexuelle Identität bleibt letztlich unklar, als homosexuell kann man ihn nicht ansehen. Scud nimmt damit noch einmal das Hauptthema seines vorherigen Films „Permanent Residence“ auf – Partnerschaft sehr Ungleicher - und lässt ihn eine Bindung an den offen schwulen Investmentbanker Daniel eingehen (ebenso vorzüglich von Thomas Price gespielt). Während ihrer Beziehung enthüllt sich Kafkas Drogenabhängigkeit und führt zu immer katastrophalerem Verlauf. Die Story hat als zeitgeschichtlichen Hintergrund die damalige Finanzkrise. Daniel muss am Ende zurück nach Australien, wo er schon früher lange gelebt hat, und Kafka – nun, man kann es sich denken. Aber wie und mit welch grandiosen Szenen und Bildern es geschieht, daran erweist sich erneut Scuds außerordentliches Talent, seine enorme Kreativität. Es spielen auch mit die Straßen und Brücken von Hongkong, ein Hochhaus mit seinem Dachgarten, die Kulisse der Berglandschaft um die Stadt und die Meeresbuchten. Und dann gibt es noch Linda (Winnie Leung), Daniels Ex-Freundin. Eigens aus Australien eingeflogen, beschleunigt sie ungewollt den tragischen Verlauf. Weitere Nebenfiguren sind Kafkas Eltern, sein gleichfalls drogenabhängiger Bruder und seine eigene Ex-Geliebte.

Die Machart des Films überforderte manche Zuschauer. Sie wechselt oft von mal krassem, mal poetischem Realismus zu eingeschobenen Rückblenden, Träumen, Visionen. Auf diese Weise wird erst die Figur Kafka mit ihrem Hintergrund, ihrer Vorgeschichte und ihrer inneren Struktur plastisch. Die Bildsprache, gelegentlich an Robert Mapplethorpe erinnernd, ist zugleich drastisch und raffiniert, ohne dass ihr bloße Werbeästhetik vorzuwerfen wäre. Noch das ästhetisch exaltierteste Detail ist hier legitimiert als jeweils erregendes Handlungsteil in engem Zusammenhang mit der erzählten Geschichte insgesamt. Scud selbst tritt, wie andere große Filmemacher vor ihm, in einer kleinen Nebenrolle auf. Wie in den meisten seiner Werke werden auch in „Amphetamin“ andere Filme von ihm visuell oder im Dialog zitiert. Eigenwerbung? Ausdruck eines überaus starken Egos? Man kann es so sehen. Oder auch so: Scuds Filme stehen nicht jeder für sich, sie haben einen inneren Zusammenhang. Sie bilden eine Art Hongkonger Comédie humaine von heute.

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