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Autor: RahelJakobson · Rubrik:
Erzählungen

Man hatte sich versammelt. Es war das erste Mal, dass wir, mit dem Auftrag zur Erziehung bedacht, uns in der kleinen Runde trafen, die der Bundesrat zusammengewürfelt hatte. Im sogenanten Palast der Republik war es, an einem schwülen Maidonnerstag. Zögernd hänge ich meinen Sakko über die Stuhllehne. Während dessen wird mir der Ernst dieses Ortes bewusst. Solch edle Stühle stellt man nicht in irgendwelche Räume, zu irgendwelchen Konferenzen, solche Stühle machen Veranstaltungen demütig und real. Sie sagen: hier muss etwas passieren. Um mich blickend stelle ich fest, dass es nicht mir allein so geht, kaum einer mag sich setzten. Beinahe jeder sagt mir mit seinen Gebärden er verstünde nicht und zweifle, sei zu klein für diesen Stuhl.
Nun stehen wir also hier, vom Philosophie Professor bis zum Langzeitarbeitslosen. Zehn Personen zählen wir und ein jeder von uns soll nach Bundestagsbeschluss eine Bevölkerungsgruppe vertreten. Wie vor vier Wochen, als ich den Brief des Präsidenten inmitten von Werbeprospekten und Rechnungen fand, frage ich mich nun wieder, welche Gruppe sollte ich schon Vertreten? Einen Künstler, der, wie das Vorurteil will, fern der Gesellschaft seine Neurosen und Sehnsüchte in dunklen, verlassenen Fabrikgebäuden auslebt hätten sie statt meiner wählen sollen. Aber ich, ich bin nur Journalistin, eine kleine Feuilletonjournalistin, die seit zwölf Jahren den lokalen Theaterbetrieb in Süddeutschland betrachtet und eigene Eindrücke abdrucken lässt und zu allem Überfluss dafür auch noch bezahlt wird, Premierekarten hinterher geworfen bekommt und einen schwarzen Benz vom Verlag gestellt bekommt.
Endlich können wir uns setzten, wer sich als erster auf das weiche Leder traut geht unter. Wie auf ein Kommando scheinen wir uns gleichzeitig niederzulassen, wir schnaufen erleichtert aus. Ich glaube aber bemerkt zu haben, den Anfang habe der dicke Kardinal getan, der von heiligen Vater selbst bestimmt wurde und nicht, so wie wir Restlichen, auf Wunsch der Regierung hier ist.
Plötzlich, beinahe ohne Grund bricht das Gemurmel und Taschengeräume auf. Stille, mit einem Male. Wir blicken gespannt um uns, erwarten etwas. Der Troubel der Fotografen vor diesem fragwürdigen Gebäude, die stockend, langgezogene Rede des Präsidenten verschwinden langsam und wir merken, dass das Mobiliar nicht lügt. Hier muss etwas geschehen, hier wird etwas geschehen. Der freiburger Philosoph beginnt in seinem verwaschenen Badisch einen Anfang zu machen: “Mir sin nu hier un wolle ma gugge wasch nu da zu mache isch.“ Man merkt, wie die Anspannung von ihm fällt, wie es ihm zur Qual geworden war, dieses Schweigen, wie er sich nun mit einem sicheren Lächeln in den Stuhl zurücklehnen kann. Dogmater, ein schwäbischer Pastor, schlägt, unter sichtlicher innerer Wut ein Bein über das andere und schlingt sie krampfartig umeinander. Dann, gewissenhaft und angespannten Mundwinkeln bellt er, in klaren Worten, wie von seiner Kanzel herunter: „Wir sollen also die Gesetzgebungen auf ihre Moral hin prüfen. Wollen wir also keine Zeit verlieren. Herr Lebmann, ihnen hat der Präsident doch die betreffenden Paragraphen gegeben.“ Der dicke Kardinal fühlt sich kaum angesprochen, erbarmt sich dann aber doch, aus seiner glänzenden Halbledertasche, die er sich scheinbar nur zu Treffen hier angeschafft hat, einen Umschlag hervor zu ziehen auf dem deutlich die Siegel des Bundesjustiz Ministeriums zu sehen war. „Wir haben hier drei Gesetzentwürfe, von Bundestag, Rat und Justizministerium so gut wie verabschiedet.“ Er schnaubt schwer durch seine wulstigen Lippen. Das Reden scheint ihm keinen Spaß zu machen und doch findet sich in seinen Augen das Funkeln der Macht, wie man es aus seinen zahlreichen Fehrnsehauftritten kennt, in denen er dem Papst selbst den Rang abzulaufen trachtet. Die wenigen Seiten, die er aus dem Umschlag zieht wirft er auf den Tisch und lehnt sich genüsslich zurück, dass sein Bauch ihn im edlen Lederstuhl zu ertränken trachtet. Ich bemerke nur, von welcher stofflichen Elite dieses Papier ist, dass er da so selbstlos vor uns niederfallen lässt. Für ihn ist dieser Luxus wohl eine Selbstverständlichkeit. Gut möglich, dass er in seinem osthessischen Bischhofssitz eine eigene Schweinefarm hat, auf der er sein eigenes Pergament herstellen lässt.
Das gute Regierungspapier mach die Runde und jeder schaut einmal kurz, was die Überschriften so sagen. Was ich davon verstehe ist nicht viel, so dass mir meine Fehlplazierrung an diesem Platz umso deutlicher wird. Bei den drei Gesetzen handelte es sich um ein Familien, eines zum Verfahren mit Straftätern und erst beim letzten hatte ich eine grobe Ahnung, worum es sich handelte, es war ein neues Gesetz zur Regelung des Urheberrechts. Ratlosigkeit finde ich in den meisten Gesichtern. Was sollten wir nun damit anfangen? Der Freiburger, Lou Meister, der sich damit brüstete einige Jahre an einem College irgendwo in Zentralmittelamerika gelehrt zu haben, begann vom ersten Blatt , seinen Dialekt zu unterdrücken versuchend, vorzulesen:
„Gesetzäntwuaf dea Bundeschregierung, Entwurf einesch Gesätzes zur Refoam der Führungschaufsicht, A. Problem und Ziel:Die Führungschaufsicht gewährleischtet eine nachsorgende Betreuung von Täterinnen und Tätern, deren g`sellschaftliche Wiedereingliederung nach ihrer Entlaschung aus dem Straf- oder Maßregelvollzug
ausch unterschiedlichen Gründen gefährdet erscheint und die daher im Besserungsch und
im Sicherungschinteresse in besonderem Maße kontrollierender Begleitung und Unterstützung bedürfen. Sie hat damit sowohl eine erhebliche kriminalpolitische als auch – im Hinblick auf ihre hohen Anwendungszahlen – eine große praktische Bedeutung. Ziel der Reform der Führungsaufsicht ist es, ihre effizientere praktische Handhabung zu ermöglichen. Zum einen werden deshalb
die rechtlichen Regelungen zur Führungsaufsicht vereinfacht und vereinheitlicht; dies wird – da wid einem gansch bund“ Nach Luft ringend versuchte der Freiburger zu verstehen, was er da gerade gelesen hatte. „ Also isch habbe jo viel deppesch zeusch gesele, abba dasch...- isch gehele ma weida zu B. Lösungen. Der Entwurf schlägt vor:
1. Ausweitungen des strafbewehrten Weisungskatalogs, § 68b Abs. 1 Nr. 7, 10, 11 StGB-E, inschbesondere Aufnahme eines Kontakt- und Verkehrsverbots, § 68b Abs. 1 Nr. 3 StGB-E. 2. Erhöhung des Strafrahmens für Weisungsverstöße auf drei Jahre Freiheitsstrafe, § 145a StGB-E. 3.“, seine Stimme wird deutlich lauter und schneller, „ Schaffung einer Befugnis der Führungsaufsichtsstelle, eine Ausschreibung zur Aufenthaltsermittlung der oder des Verurteilten anzuordnen, § 463a Abs. 1 StPO-E. 4. Schaffung einer Befugnis der Führungsaufsichtsstelle, Vorführungsbefehle zu erlassen, § 463a Abs. 3 StPO-E. ...also, wasch sollet mir denn damit? 13 Punkte, und mia bleibet jetzt scho die Luft weg.“ „Aber echt, versteht doch kein niemand.“
Es kam aus der Ecke derer, die bislang geschwiegen hatten. Der junge Hendrik Hüll, ein hanseatischer Mediendesigner Mitte zwanzig, gibt uns mit einem Griff zur Wasserflasche zu verstehen, dass diese Worte von ihm ausgingen. Mit einer sanft anmutenden Selbstüberzeugung dreht er langsam die Flasche auf und gießt sich ein. Erst, als er die Flasche wieder ordnungsgemäß an ihren Herkuftsort platziert hat und mit einem winzigen Hauch von Wasser seine dünnen Lippen benetzt hat spricht er weiter: „Wenn ich diese Woche nicht sowieso in Berlin einen Auftrag auszuhandeln hätte, wär ich gar nicht her gekommen. Ich dachte mir, es könnte mal was innovatives sein, aber was machen wir schon? Lesen abgestempelte Texte, sitzen in fetten Bonzenstühlen und so sollen wir der Regierung Moral geben? Seht ihr denn nicht, was das für ein Witz ist?“ „Na hören Sie mal, in Ihrem Alter versteht man sowas vielleicht nicht, aber wir sind hier nicht aus Spaß.“ Pastor Dogmater, den sonderlicher Weise kein schwäbischer Akzent begleitet, obgleich er seit gut drei Jahrzehnten in der Schwäbischen Alb predigt, fühlt sich durch die labidare Redensweise des in rosarote Seide gehüllten Hamburgers in seiner Ruhe gestört. „Wir gehen jetzt Schritt für Schritt jedes vorgelegte Gesetz durch und legen beim Justizminister unsere Ergebnisse vor, ob wir die Gesetze moralisch legitim oder nicht sehen. Dass wars, das verlangt man von uns.“ Auch Kardinal Lebmann beginnt die Unterbrechung der liturgischen Wiedergabe der Gesetzentwürfe zu missfallen. Er dreht sich in seinem Stuhl, der breiter wirkt, als unsere, und versucht sich aufzurichten. Will oder weiß aber nichts zu sagen. Anna Loos, die mit mir die Frauenquote dieser Sitzung abdeckt und irgendwo in den neuen Bundesländern eine Kindergartengruppe nebst den eigenen sechs Kindern betreut, scheint sich und ihre Fähigkeit als Streitschlichterin angesprochen zu fühlen: „Ich denke der junge Herr Hüll hat recht, bevor wir hier ohne Überlegung drauf los lesen, vorallen Texte, die kaum einer hier zu verstehen im Stande ist, sollten wir uns erstmal überlegen, warum wir hier sind. Sie haben schon ganz recht gesagt, wir wollen hier etwas innovatives machen.“ Und sie weißt mit einer mütterlichen Geste auf den jungen Mediendesigner, der daraufhin leicht beschämt und stolz zugleich auf seine Hände zu starren beginnt. „Also,“ fährt sie sicherer fort, „was wird sich die Regierung dabei gedacht haben uns, wie wir verschiedener kaum sein könnten, zur moralischen Prüfung, wie es heißt, der wichtigsten Gesetzentwüfte hier her zu bestellen?“ „Aber Frau Anna, wir meisten hier haben doch mit Politik nichts zu tun.“ Dass Herr Bild, der, mit dem warscheinlich traurigsten Schicksal unter uns, Frau Loos bei Vornahmen anspricht ist nicht anstoßerregend. Im Gegenteil, beinahe jeder von uns möchte ihm jetzt brüderlich auf die Schulter klopfen und sagen: gut gemacht. Trotzdem aber schämt er sich. Vor allem den Großunternehmer Herr Klein, der einen internationalen Pharmakonzern leitet, fixiert er voll Angst. Warum hier, wenn es doch um Moral und Ethik ginge nur die christlichen Kirchen vertreten seien, frage ich, doch es scheint nun wichtigeres zu geben und so geht keiner darauf ein. Man beginnt sich an den bereitgestellten Getränken zu bedienen und einer geht zum Buffet und bringt ein Tablett Designerschnitchen an den Konferenztisch. Und dann, wo ich meinen Einwurf schon ganz vergessen habe, bekennt sich der junge Mediendesigner Hüll, letztes Jahr zum Islam konvertiert zu haben. Emine heiße sie, er hatte sie in Hamburg auf einer Messe kennen gelernt, sei eine fantastische Grafikdesignerin und erwarte im nächsten Monat ein Kind. „Tja, gut, dann sind wir ja doch vollzählig, Juden gibt es ja in Deutschland eh nicht mehr.“ Den undefinierbaren Ausdruck im Gesicht des Kardinals würde ich am liebsten das Wursttablett entgegen schmeißen, aber die stets heitere Erzieherin, Anna Loos, hat ein Gespür für eskalierende Momente und so kann ich nur ein hartes: „Na hören Sie mal! -“, herausbringen, bevor sie mir ins noch nicht gefundene Wort fällt: „Ich schlage vor, wir sammeln jetzt erst einmal, was ein jeder von uns so als moralisch versteht. Sie Herr Filz, Sie sind doch Beamter,“ „Kramer-Filz“, warf der Stadtbeamte höflich aber ernst ein. „Wollen Sie nicht Protokoll führen und unsere Überlegungen sammeln? Auf die drei Gesetzen können wir ja in der nächsten Sitzung zu sprechen kommen; man wird das bestimmt verstehen.“ Kramer-Filz, der schon bevor er sich gesetzt hatte Papier und Kugelschreiber auf dem Tisch platziert hatte, beginnt sogleich irgendeine Überschrift, Datum und Anwesenheitsliste auf einem Blatt zu verewigen. „Hier, nehmen Sie den hier, geht schneller.“ Und Großunternehmer Klein schiebt mitleidig einen Laptop zu Herrn Kramer-Filz herüber. „Nein, danke, aber ich kann nur mit 98 umgehen, da ist bestimmt XP drauf.“ Klein zieht den silbernen Kasten wieder zu sich, mit dem Anschein einer Beleidigung. „Ich fang dann mal an, wenn´s recht ist.“ und Herr Klein fängt wirklich an. Ganz von Anfang fängt er an, von seiner Kindheit als Protestant im Ruhrpott, von seiner Ausbildung, den Fortbildungen, dem Studium, wie er sich trotz allem hochgearbeitet habe und wie sein Leben eine Bestätigung erfahren hat, als er vor einem Monat den Brief vom Präsidenten von seiner Sekretärin überbracht bekommen habe. Der arme Kramer-Filz muss alles mitschreiben; eigentlich muss er nicht, er tut es einfach. „Zur Moral Herr Klein, zur Moral.“ Drängt ihn Pastor Dogmater. „Ja, zur Moral. Also, ich finde mit der Moral ist es so eine Sache, man weiß einfach, was gut für einen ist, und was schlecht. Desshalb, ja..., ich habe mich ja auch gefragt, wissen die Politiker dass nicht selbst. Aber dann ist mir´s klar geworden. Ich habe ja auch meine Assistenten, meine Berater, Manager, die sich umsehen sollen, dass ich keinen Fehler mache. Die Politiker haben einfach keine Zeit dazu immer zu denken: gut oder schlecht. Wo würden wir denn hinkommen, wenn die an jedem Gesetz sofort zweifeln würden? ...Moral, ja, da setze ich auf Intuition und Vernunft, denn es darf ja nicht nur gut sein, es muss ja auch, ...Profit; ja, man muss ja auch davon profitieren können.“ „Aber aber, Herr Klein, ihre Arbeit in allen Ehren, aber so geht das doch nicht. Ich habe selbst ein Kleinunternehmen, da muss ich selbst schon schauen, dass alles läuft. Sicher, ich habe Angestellte, die mir dabei helfen, aber letzten Endes bin ich es, der Verantwortlich ist, das alles läuft und wir nicht Konkurs gehen. Fragen Sie Herrn Hüll, der ist selbstständig, ganz auf sich alleine gestellt, der kann auch nicht einfach sagen: macht ihr das für mich.“ Der Bremer KfZ-Meister Krön, der, wohl von den Massen Photographen vor dem Palast, bis jetzt abgeschreckt war und wohl neben dem Kardinal für die Leere auf dem Tablett verantwortlich war, hatte sich während er geredet hatte die obersten Knöpfe seines grau-weißen Hemdes, wohl um sich Luft zu machen, geöffnet. „Worauf wollen Sie hinaus?“ Warf der vom Schicksal gebeutelte Herr Bild ein. „Worauf? Ja, darauf, dass ich es nicht verstehen kann, wozu wir hier sitzen und kostbare Arbeitszeit an den Staat verschenken. Darauf will ich hinaus.“ „Aber wir können doch auch nicht alles auf die Politiker abschieben. Es ist doch die Grundlage der Demokratie, dass wir alle irgendwo die Regierung bilden.“ „Ja, irgendwo, Pastor Dogmater, irgendwo.“ Mich darüber wunderns, plötzlich politisch geworden zu sein füge ich noch hinzu: „Hüll und Krön haben doch völlig Recht, wenn sie meinen, was die Politiker machen ginge sie nichts an.“ „Das habe ich so nicht gesagt Frau Jakob, aber gemeint habe ich es, gemeint.“ Bekräftigte mich Hüll leicht belustigt. „Ja, was soll uns die schon angehen, wir sind denen doch auch nichts wert.“ brüllt beinahe der bemitleidete Herr Bild und fügt noch hinzu: „Gerade meiner einer ist denen doch schnurz pip!“ Lou Meister versucht ihn zu beruhigen, da ihn dieses Leiengespräch in eine innere Ungeduld versetzt:“Hier isch Politiker freihe Zoone mein Guda, -“ „Ich bin nicht ihr Guter, Sie wissen ja gar nicht, wovon ich rede, Sie können es sich nicht einmal denken.“ „Ach, kann isch nischt, glauet Sie, isch sei als Professor geboren, glaubet Sie das etwa?“
„Meine Herren, meine Damen, soll das jetzt den ganzen Tag so weiter gehen? Ich kann mir das wirklich nicht mehr länger anhören. Wozu auch, meine Moral ist klar, es ist die Moral Jesus Christus und unseres Heiligen Vaters. Sie entschuldigen mich, ich habe noch andere Termine.“ Kardinal Lebmann erhebt sich mit bedrohlichem Wippen aus seinem breiter wirkendem Stuhl, greift dabei nach seiner neuen Ledertasche und zupft sich das weiße Stückchen Stoff unter seinem schwarzen Hemd zurecht. Während er den Raum verlässt schweigen alle und ich ärgere mich darüber, nicht mehr zu wissen, wie dieser priesterliche Stoffkragen eigentlich genannt wird. Herr Krön nimmt als erster das Wort wieder auf: „Pastor Dogmater, wollen Sie ihrem Kollegen nicht folgen? Sie wissen doch auch ganz genau, was moralisch ist. Und Sie Herr Meister, sie haben in ihrem Fach doch genügend Wissen darüber gesammelt. Ach, und Herr Klein, sie wissen doch auch, ganz intuitiv, was Moral ist. Gehen wir doch am besten alle, wir wissen doch jeder am Besten, was richtig und falsch ist. Ich jedenfalls finde es falsch hier zu sitzen und die Arbeit zu machen, zu der andere ausgebildet sind und nicht ich.“ Kramer-Filz mit einem kritischen Blick auf seine breite Armbanduhr gerichtet informiert uns, dass die Zeit sowieso um sei. Das Nächste Treffen sei in vierzehn Tagen sagt er noch, während wir unsere Jacketts und Sakkos von den Stuhllehnen reißen und eiligst dieses todgeweihte Gebäude in alle Richtungen verlassen. Selbst meine Kollegen, die Photographen stehen nicht mehr vor der Tür, sie haben früher als wir gemerkt, dass sich heute nichts tun wird. Ich frage mich, ob ich es bis zwanzig Uhr noch zur Premiere von Ibsens „Rosmersholm“ schaffe.


Einstell-Datum: 2007-02-19

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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