1994, vor inzwischen 31 Jahren, schoß sich der Leadsänger der Band aus Washington, an einem verregneten Tag im April eine Kugel in den Kopf. Aufgrund des Abschiedsbriefes ("better to burn out - than to fade away") handelte es sich eindeutig um Selbstmord. Was war geschehen?
Smells like Teen Spirit
20 Strips einer neuen Generation franko-belgischer Comiczeichner haben sich mit Hilfe biografischer Texte und umfangreichem Fotomaterial auf die Suche gemacht, herauszufinden, was damals passiert ist. So kommen ganz unterschiedliche Zeichenstile und Ansichten und Perspektiven zum Ausdruck, die ein bunt schimmerndes Kaleidoskop ergeben. Zusammenfassungen am Ende der einzelnen Kapitel sorgen für eine gute Übersicht und erklärend nochmals das, was wirklich bekannt ist und was nur Interpretation. Als prägend gilt sicherlich die niedergegangene Holzindustrie seiner Geburtsstadt Aberdeen im Bundesstaate Washington, 190 Meilen von Seattle, dem späteren Headquarter der Grunge-Bewegung. Die triste Atmosphäre einer untergegangenen Welt, der viele Regen, das Klima, die familiären Verhältnisse, hin- und hergeschoben zwischen Stief- und Schwiegereltern, Tanten und Onkels. Gottseidank gab es Freunde ohne die der junge Kurt wohl nur sehr schwer überlebt hätte. Einer davon war der Bassist Krist Novoselic, mit dem er alsbald seine ersten Bands gründete. Der gebürtige Kroate macht den Beatles-Fan Kurt auch erstmals mit Punk bekannt. Als die beiden unter die Fittiche von Buzz Osborne der Melvins geraten ist ihr Weg vorbereitet: Smells like Teen Spirit.
Nirvana. Der Name eines Phänomens.
Aber auch der Erfolg machte Kurt nicht glücklich. Seine Frau Courtney Love sorgte als erstes dafür, die Band zu spalten und die Tantiemen genau nach Beiträgen (sogar rückwirkend!) abzurechnen. So wurden Krist und der als letzter hinzugekommene Dave Grohl nach ihrem größten Erfolg "Nevermind" zu nichts weniger als Studiomusikern herabdegradiert und Kurt mutierte immer mehr zum klassischen Rockstar, also genau dem, was er eigentlich immer bekämpft hatte. Zudem ist er auf Courtney eifersüchtig und wird besitzergreifend. Sie soll in dieser Zeit etwa mit Billy Corgan (Smashing Pumpkins) ein Techtelmechtel begonnen haben. Kurts Hilfeschreie (Selbstmordversuche) häufen sich schon 1993 und bald ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis er erfolgreich damit ist. Die unterschiedlichen Zeichenstile und Farbgebungen machen vorliegende Graphic Novel zu einer abwechslungsreichen Lektüre voller Ups and Downs. Hilfreich sind die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel allemal. Hervorzuheben wäre etwas der S/W-Stil von Ammo (Crump lässt grüßen) oder die Geschichte von Khaz und Nadège Bories in rot/schwarz. Ein würdiger Abgesang also auf eines der größten Talente des 20. Jahrhunderts, der für viele viel mehr als nur einen Comichelden verkörperte. Kurt Cobain war ein klassischer Held der Antike, mit Aufstieg, Erfolg und Niedergang. Aber Nirvana waren noch mehr als das.
Nirvana – Das Comic!
Aus dem Französischen von Katharina Kral
2025, 23 • 30cm, Hardcover, 186 Seiten |
ISBN 978-3-903478-52-7
bahoe books
€ 25,00
[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2025-12-20)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.