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Reimer Gronemeyer - Die Weisheit der Alten. Sieben Schätze für die Zukunft
Buchinformation
Gronemeyer, Reimer - Die Weisheit der Alten. Sieben Schätze für die Zukunft bestellen
Gronemeyer, Reimer:
Die Weisheit der Alten.
Sieben Schätze für die
Zukunft

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(Bücher frei Haus)

Unter dem Stichwort „demographische Entwicklung“ wird seit vielen Jahren unserem Land das Thema Alter und Altwerden abgehandelt. Da geht es um den steigenden Bedarf an Heim-und Pflegekräften, um die Kosten dafür und das alles generationengerecht finanziert werden kann, ohne die Jungen unverhältnismäßig zu belasten. Dabei wird mit Methode die alte Generation ausgegrenzt und an den Rand gedrängt, um sich nur schnell anderen Problemen der Gesellschaft widmen zu können.

Dabei sind die Alten schon immer Hüter längst vergessener Schätze, deren permanente Missachtung die Gesellschaft teuer zu stehen kommen wird. Der Theologe und Soziologe Reimer Gronemeyer, Jahrgang 1939, und damit selbst zu jener Gruppe der Alten zählend, „die Ausgesonderten einer neuen Apartheit, die in kostspieligen Homelands untergebracht sind“ (S.18) begibt sich in dem vorliegenden Buch auf die Suche nach jenen Schätzen. Auf faszinierende Weise stößt er auf das widerständige Potenzial, die Kunst des Andersseins, den kostbaren Starrsinn der Alten, auf ihre Fähigkeit zum Staunen und ihr produktives Abweichlertum. Auf Qualitäten also, die unsere Gesellschaft mehr denn je benötigt.

In sieben Kapoiteln beschriebt er jene Qualitäten der Alten:
1. Mut
2. Liebe
3. Erinnerung
4. Früchte
5. Gelassenheit
6. Tradition
7. Wíssen und Nichtwissen

Zusammenfassend schreibt er:

„Die Schätze der Alten sind nicht wie eines dieser bunten Ostereier, die als ‚Kinder-Überraschung‘ angepriesen werden. Auch nicht wie eine Wundertüte. Die Schätze der Alten konzentrieren sich in ihren Erfahrungen – und die sind manchmal bitter und sogar fürchterlich. Wenn man nach diesen Schätzen der Alten sucht, stößt man nicht unbedingt auf eine Kiste mit Goldbarren, sondern womöglich auf Erfahrungen, die Schuld, Unglück, Leid und Hass offenbaren. Keine süße Schokolade, keine blauen Plastik-Schlümpfe, sondern Abgründe. Verstörendes. Aber gerade darin kann dann mehr Weisheit, mehr Erfahrung und mehr Tiefe zu finden sein als in platter Positivität. Die Schätze der Alten sind nicht eine Ressource, die sich zur Ausbeutung anbietet. Sondern im besten Fall ein ‚Lebensmittel’ ein Mittel, das den Jüngeren Lebensanlässe bietet. Die Erinnerungen der Alten sind kein Kitschparadies, sondern harte Wirklichkeiten. Die im Leben der Alten gesammelten Erfahrungen können den Nachkommen als Wegweisung dienen, als Trost, als Ermutigung.“

Seine zornige Sprachgewalt, die nicht nur in jenem oben angeführten Zitat von den „Ausgesonderten einer neuen Apartheid“ deutlich wird, zeigt auf eine für mich schmerzlich Weise, wie wenig er letztlich selbst daran glaubt, dass seine „Schätze der Alten“ von den nachfolgenden Generationen wirklich angenommen und beherzigt werden.

Wenn ich mit Menschen meines Alters (Jg. 1954) spreche, gehen die meisten ganz nüchtern davon aus, irgendwann in einem Altenheim zu verkümmern. Und mir fällt wenig dazu ein, was ihnen für eine andere Zukunft Hoffnung machen könnte.

Reimer Gronemeyer, Die Weisheit der Alten. Sieben Schätze für die Zukunft, Herder 2018, ISBN 978-3-451-60043-2

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2018-05-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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