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Rezensionen


 
Hannes Leidinger - Der Russische Bürgerkrieg 1917–1922
Buchinformation

In der Reclam-Reihe „Kriege der Moderne“ ist von dem Historiker am Wiener Zeitgeschichte Institut das vorliegende Buch zum russischen Bürgerkrieg erschienen, der sich dieser Tage zum 100. Mal jährt. Denn der Bürgerkrieg war weder
mit der Februar- noch mit der Oktoberrevolution 1917 beendet. Das Zarenreich und die Herrschaft von Nikolaus II. ging zwar zu Ende, jedoch entstand eine neue Dynamik, die das Land noch lange Zeit nicht zur Ruhe kommen ließ.

Gründung der Sowjet

Unter dem Titel „Höllenszenen“, dem Auftaktkapitel, lässt Leidinger seine Geschichte des russischen Bürgerkriegs beginnen. Mit der „Hölle“ sind aber keinesfalls die Lebensbedingungen der Arbeiter und Bauern des russischen Riesenreiches gemeint, sondern die Exekution der Zarenfamilie durch die Exekutive der Bolschewiki. Natürlich ist das „Umbringen keine leichte Sache“, wie er Jakow Jurowskij, den Leiter des Hinrichtungskommandos zitiert. Aber warum stellt Leidinger die Morde des 16./17. Juli an den Anfang seiner Erzählung und macht sie damit zum Auftakt? Schließlich war das Ende der Zarenfamilie weder der Anfang noch das Ende einer verhängnisvollen Entwicklung hin zur Diktatur Jossip Stalins, der sich nach dem Bürgerkrieg zum Generalsekretär ernannte. Auch mit dem Jahr 1922 wie im Untertitel angegeben war der Russische Bürgerkrieg noch keineswegs zu Ende, denn Stalin und seine Schergen rotteten nicht nur die innerparteiliche Opposition aus, sondern schließlich auch Trotzki in seinem Exil. Für Leidinger ist aber die Tatsache, dass schon Ende Dezember 1922 die Grenzen der neu geschaffenen Sowjet feststanden, auch den Bürgerkrieg für beendet zu erklären, wie er in Kapitel 3 abschließt. Die Sowjet wurde am 30.12.1922 offiziell gegründet.

Perspektiven eines Bürgerkrieges

Drei Ebenen des Bürgerkriegs stehen bei Leidinger im Vordergrund: die politisch-ideologischen Auseinandersetzungen, die militärischen Kontrahenten, das Kriegsbild und die Waffengänge und zuletzt eine „Perspektive von unten“, „die einen Einblick in den Alltag dieser blutigen Zeiten gibt“ sowie eine chronologische Darstellung zugunsten dreier thematischer Längsschnitte. Zeitgenössische Dokumente wie Gemälde oder Fotografien ergänzen den Fließtext und machen das schriftlich Dargestellte anschaulicher. Landkarten zeigen etwa die „Umkreisung Sowjetrusslands“ durch ausländische Mächte oder auch die Lage in der Schlacht um Petrograd, das später zu Leningrad umbenannt wurde. Die Reihe „Kriege der Moderne“, herausgegeben vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, stellt die wichtigsten militärischen Konflikte des 19. und 20. Jahrhunderts nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen vor und erläutert ihre geschichtlichen Ursachen und politischen Folgen. Weitere Ausgaben der Reihe „Kriege der Moderne“ finden Sie auf der Homepage des Verlages.

Hannes Leidinger
Der Russische Bürgerkrieg 1917–1922
Klappenbroschur. Format 15 x 21,5 cm
159 S. 68 Abb. 11 Karten
ISBN: 978-3-15-011308-0
14,95 €
Reclam Verlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2021-04-14)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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