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Pola Oloixarac - Wilde Theorien
Buchinformation

In dem zweiten Roman, der von der Autorin bei Wagenbach in deutscher Übersetzung erscheint, geht es vor allem um Intellektuelle mit empathiefreiem Weltzugang. Denn der eigentliche Debütroman handelt nicht nur von wilden Theorien, sondern auch von der Unmöglichkeit sich als (intellektuelles) Paar ein gemeinsames Leben aufzubauen. Zumindest für Kamtchowsky und ihren Freund Pabst, die sich in der Subkultur von Buenos Aires bewegen, wie Fische im Wasser.

Antike im 21. Jahrhundert

Auch wenn der Roman in einem anderen Jahrhundert anfängt, spielt er doch im Jetzt und es ist verblüffend wie viel von abendländischer Kultur in einem Roman aus Argentinien vorkommen kann. Das mag zum einen daran liegen, dass die Autorin längst in Europa, in Barcelona genauer gesagt, lebt, aber das wird wohl zur Zeit ihres Debüts noch nicht der Fall gewesen sein. So schreibt sie zu Beginn über die Gebräuche von Eingeborenen, etwa den Orokaiva, bei denen Kinder initiiert werden, indem sie von hinter Büschen lauernden Erwachsenen erschreckt werden. Aber auch pikante Sexszenen und eine an Bukowski erinnernde dementsprechende raue Sprache machen den hier vorliegenden Roman zu einer abwechslungsreichen Berg- und Talfahrt der Beziehungsmöglichkeiten im 21. Jahrhundert: „Das menschliche Gehirn ist so konstruiert, dass es nur mit kleinen Gruppen eine Beziehung aufnehmen kann. Es versucht das Gefühl zu replizieren `unter sich´ zu sein.“

Kunst des (Beziehungs-)Krieges

„Der Zauber der Elite ist der Ersatz für einen evolutionären Defekt, der eng verknüpft ist mit der genetischen Unfähigkeit, allein zu sein; das Mittel, um die Angst vor dem Wald ausreichend schnell hinter sich zu lassen.“ Die Autorin kennt sich aber auch mit der Ilias aus, zitiert sie doch den „Zorn des Peliden einer griechischen Rhapsodie“ und zudem mit der Kunst des Krieges eines Sun Tzu, den sie ausführlich zitiert: „Therefore all war is the storytelling of seduction and seduction is the nature of war.“ Ob allerdings Sun Tzu’s Kunst des Krieges als Empfehlung für die Lösung von Beziehungskonflikten herangezogen werden sollte, bleibt dem geschätzten Urteil des Lesers/der Leserin überlassen. Die Autorin bietet es schließlich nur als eine von vielen anderen „wilden Theorien“ nur an. Pola Oloixarac (*1977) studierte Philosophie in Buenos Aires, ihrer Heimatstadt und verööfentlichte bei Wagenbach auch den Roman Kryptozän (Im Original: Las constelaciones oscuras), der acht Jahre später als ihr hier vorliegender Debütroman (2008) von ihr verfasst wurde. Oloixarac gründete die digitale Zeitschrift Buenos Aires Review, hat außerdem noch ein Opernlibretto verfasst und schreibt u. a. für die New York Times und die BBC. Derzeit lebt sie in Barcelona.

Pola Oloixarac
Wilde Theorien
Aus dem argentinischen Spanisch von Matthias Strobel
Quartbuch. 2021, 256 Seiten. Klappenbroschur
ISBN 978-3-8031-3331-1
Wagenbach Verlag
18,99 €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2021-04-14)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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