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Literaturforum: Ein Märchen: Der katholische Kater


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Forum > Prosa > Ein Märchen: Der katholische Kater
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 Thema: Ein Märchen: Der katholische Kater
zugast
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38 Forenbeiträge
seit dem 23.02.2010

Das ist zugast

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 23.02.2010 um 19:07 Uhr

Diese Nachricht wurde von zugast um 19:21:44 am 23.02.2010 editiert

Der katholische Kater

Es heißt, dass wir von jenen abgeholt werden, die uns am nächsten stehen, denn Gott gewährt den Frommen sich von geliebten Menschen hinübergeleiten zu lassen, auf dass sich keiner verloren vorkomme, wenn der letzte Atemzug getan ist.


Der Küster fand das piepsende Knäuel zwischen den Gebetsbänken. Eigentlich wollte er den winzigen Hals an Ort und Stelle umdrehen, zauderte dann aber bei seiner Verrichtung, da das Jesuskind des Altarbildes ihn seltsam vorwurfsvoll ansah. Schon als er kurz zuvor die Münzen aus dem Opferstock nahm, fühlte er sich beobachtet.
Also steckte er raubeinig das Häufchen Leben in seine Manteltasche, um ihm draußen vor der Kirche den Garaus zu machen.
Im Lichte des hellen Tages dann lugten aus einem verschlafenen kleinen Gesichtchen zwei schöne Augen, sodass der Küster abermals ins Straucheln geriet.
„Da nimm", sagte er zu einem vor der Kirchtür sitzenden Bettler„,der hier ist gut für eine halbe Mahlzeit, brauchst dich nicht bedanken."
Der Bettler nahm den Winzling vorsichtig in seine Hände, nickte zum Dank und ward sogleich von tiefem Mitgefühl ergriffen.
Das Almosen war ein winziges schwarzes Katerchen, mit zittrigem Kopf und tiefen smaragdgrünen Augen. Vorn auf der Brust hatte es einen einzigen weißen Fleck.
„Dir werde ich ein guter Mensch und Freund sein", gelobte er dem kleinen Wesen aus ganzem Herzen, wohl wissend , dass Freundschaft und Güte Dinge waren, die ihm selbst noch nirgends begegneten.
Dann nahm er das Katerchen mit in seine ärmliche Unterkunft, um es zu füttern.
Doch noch bevor das kleine Wesen einen ersten Schluck Milch aus dem Schälchen trank, setzte es sich artig davor und hob andächtig sein winziges Köpfchen.
„Da schau an", dachte der Bettler, „es ist ein gottesfürchtiges Katerchen, es betet vor dem Essen.
Also nenn ich den Kleinen Christian."

Im Laufe des Jahres wuchs Christian zu einem prächtigen Kater heran, dem es an nichts mangelte. Der Bettler nämlich sorgte dafür, dass er jeden Abend ein Schälchen Milch bekam. Und jeden Abend hob Christian bedächtig seinen Kopf, hielt einige Momente andächtig inne und trank erst dann die nahrhafte Gabe.
Der Bettler, dem es bislang schwer fiel an einen Herrgott zu glauben, weil er nirgends ein Erbarmen in der Welt sah, fühlte sich durch Christian ermahnt, ebenfalls gottesfürchtig zu werden. So begab es sich, dass auch er jeden Abend bevor Christian seine Milch trank, ein Gebet zum Himmel sandte, um sich der kleinen Dinge dankbar zu zeigen.
Hatten doch beide einander und es gab Menschen, denen war nicht einmal solches vergönnt, denn sie waren mutterseelenallein.
Überhaupt war es so, dass der Kater einziger Trost und Freude im Leben des Alten war und niemand mochte den Bettler außer Christian.
Und als die beiden ein Jahr miteinander verbrachten, gebar ein finsterer Tag die Erkenntnis, dass Christian an der Schwindsucht litt, jener furchtbaren Krankheit, die Mensch und Tier gleichermaßen heimsuchte.
Christian fraß zunächst weniger, dann schließlich nichts mehr.
Mit hochgerecktem Kopf saß er vor seinem Schälchen, als müsse er sich nur hoch genug strecken, um das lebenserhaltende Elixier zu erlangen.
So rang er eines Abends zum letzten Mal nach Luft und starb einen schlimmen Tod.
Der Bettler begriff, dass Christians Gebete nur Antlitz einer leidvollen Krankheit war. Darum haderte er mit Gott und sprach:„ Es war nur das höhnische Gewand des Schwarzen, das mich fromm werden ließ. Der schleichende Tod, der widerlichste von allen, spielte diesen grausamen Streich und du mein Gott sahst allem zu. Nun will ich nichts mehr mit dir zu schaffen haben."
Dann wandte er sich von Gott ab und betete fortan nicht mehr, denn es war ihm, als würde ein jedes Gebet das Andenken Christians verunglimpfen.
Es zog noch ein trauriges Jahr ins Land, bis der Bettler eines Morgens spürte, (wie dies alle Gerechten vermögen), dass sein letzter Tag gekommen war.
Statt mit seinem Schicksal zu hadern, besann er sich seiner schönsten Momente und die Gestalt seines Freundes entstand als Abbild in seiner Erinnerung.
Als es Abend wurde, legte er sich auf seine Strohmatte.
Um mit Gott ins Reine zu kommen, betete er ein letztes Mal und sprach:„ Meine Zeit ist nun gekommen Herr. Ich war kein schlechter Mensch, obwohl mir nicht viel Gutes vergönnt war. Und hätt ich nur einen einzigen Wunsch, so würde ich gern meinen Freund den Kater wieder sehen. Als er von mir ging, zerbrach mir das Herz.
Kein ewiges Leben möcht ich, keine Engel, die mich auf Händen tragen, auf alles verzichte ich gern.
Mir liegt nichts an himmlischer Glückseligkeit. Ohne meinen Freund geh ich lieber in eine ewige Nacht.
Könnt ich doch noch einmal in seine tiefen grünen Augen sehen.
Dann sprach der Alte an sein inneres Bild:„Mein lieber Christian. Niemals hatte ich einen Freund wie dich. Seit du fort bist, umkreisen mich mehr und mehr schwarze Engel. Sie flüstern mir zu und lassen mich in einer Dämmerung leben, hellwach bin ich zwar, aber von allem Guten abgeschnitten."

Und so kam es, dass schon lang kein innigeres Gebet mehr an Gottes Ohr gelangte.
Bestürzt über soviel Unglück erwog nun der Herrgott selbst sich eine Ausnahme von der Weltregel zu gestatten und ein Erbarmen zu zeigen.
In der letzten Stunde des Abends erschienen ein paar liebevolle grüne Augen am Nachtlager des Bettlers. Dieser erschrak zunächst, erkannte dann aber den Freund.
Ein prachtvoller schwarzer Kater näherte sich, legte sich auf den Bauch des Alten und sah ihn freudestrahlend an. Seine Augen leuchteten wie grüne Sterne.
Ein Glücksruf zog sich durch die ganze Welt, hoch bis in den Himmel.
Dann erhob sich der Kater und bedeutete seinem Freund, dass er ihm folge möge.
Der richtete sich auf und sagte:„Ich folge dir, wohin du willst, Christian", worauf beide den kargen Ort verließen.
Als der Tag anbrach und die Sonne durch das Fenster schien, lag ein toter alter Mann auf dem Stroh, das Gesicht zu einem friedlichen Lächeln verklärt. Seine Hände waren in zarter Umarmung erstarrt, wie etwas Unsichtbares liebkosend, vielleicht von der Größe einer Katze.

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psalmopoeus
Mitglied

3 Forenbeiträge
seit dem 24.02.2010

Das ist psalmopoeus

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 24.02.2010 um 22:49 Uhr

Auch schön, obwohl vielleicht ein wenig kitschig. Aber macht nichts. Besteht die Ausnahme darin, dass der Kater kein Mensch ist?

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annahome
Mitglied

720 Forenbeiträge
seit dem 19.06.2007

Das ist annahome

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 24.02.2010 um 23:07 Uhr

kater auf evangelisch: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-02/kaessmann-alkohol-kirc he

gruß
"thema verfehlt"


statt kulturarmut - mut zur stadtkultur
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zugast
Mitglied

38 Forenbeiträge
seit dem 23.02.2010

Das ist zugast

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 25.02.2010 um 01:27 Uhr

Diese Nachricht wurde von zugast um 01:33:29 am 25.02.2010 editiert

Was willst du mir sagen? Spuck´s aus, der Onkel sortiert !
Ach so, der kässnannsche Kater! Stimmt, der ist evangelisch.

Na vielleicht brettert Ratzinger ja mal im Vollrausch mit seinem Papamobil ein paar Ministranten um. Dann ist der Kater wieder katholisch.

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Forum > Prosa > Ein Märchen: Der katholische Kater


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