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Literaturforum: Carmina Burana und Alice Weidel als Schwan


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Forum > Sonstiges > Carmina Burana und Alice Weidel als Schwan
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 Autor
 Thema: Carmina Burana und Alice Weidel als Schwan
ArnoAbendschoen
Mitglied

634 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 16.12.2020 um 22:22 Uhr

Da habe ich mir doch neulich die Verfilmung von Orffs „Carmina Burana“ als DVD kommen lassen, von Ponnelle 1975 realisiert – großartig, fulminant. Ich muss es immer wieder ansehen und anhören. Das hat allerdings Folgen. Wache ich jetzt nachts auf, erklingen diese Melodien sogleich wie Ohrwürmer in meinem Kopf: zum Beispiel "O Fortuna" oder "Swaz hie gat umbe ..." Und gerade eben, bei meinem Nachmittagsnickerchen, habe ich sogar von diesem Stoff geträumt. Ich muss das jetzt aufschreiben, um mich von dem starken Eindruck zu befreien.

Diesmal war es "Olim lacus colueram", der Schwan, der in der Küche gebraten wird und dazu ganz jämmerlich singt. Mir träumte, es sei Alice Weidel, die hier schmorte, in ein unförmiges Schwanenkostüm gezwängt und auf dem rotierenden Bratrost festgebunden. Ich war einer der Küchenjungen, die sie mit Fett beträufelten. Sie selbst sang den lateinischen Text und schrie dazwischen in hohem, schrillem Ton auf Deutsch. Es schien immer dasselbe und ich glaubte schließlich das zu verstehen: „Wer für Stopfleber die Freiheit aufgibt, wird beides verlieren, die Leber und das Gegacker.“ Für einen Schwan sonderbare Worte, über die ich jedoch träumend nicht lange nachsinnen konnte, denn Alice war jetzt durchgebraten und ich verwandelte mich im Nu in den Truchsess und ließ sie als Hauptgang auftragen.

Alice führte vor den Gästen an der langen Tafel ihren Klagegesang unbeirrt fort und der Chor respondierte: „Miser! Miser! Modo niger et ustus fortiter!“ Und dann wechselte sie wieder ins Neuhochdeutsche und artikulierte dabei sehr scharf: „Wer für Stopfleber die Freiheit aufgibt, wird beides verlieren, die Leber und das Gegacker.“ Aus der Tischgesellschaft trafen sie fragende Blicke und sie ergänzte weniger laut und ziemlich trocken: „Zitat von Thomas Alva Edison.“ Woraufhin einer der Speisenden einwarf: „Was hat denn der damit zu tun? Aber lasst uns jetzt anfangen …“ Sie zückten die langen Messer, um sich Stücke vom Fleisch der Alice herunterzusäbeln.

Ich war misstrauisch geworden: Stopfleber, Gegacker? Wenn sie nun gar kein Schwan war? Blitzschnell, wie das nur im Traum geschehen kann, löste sich mir das Rätsel. Die Weidel flog plötzlich von der Tafel auf und rauschte, arg ramponiert schon, über die Köpfe hinweg und zum Saalfenster hinaus. Man hörte nur noch eben als Begleitgesang: „… et ustus fortiter!“ Dann war sie außer Sichtweite. Aber das war doch kein Schwan gewesen, dünkte mich, sondern? Ein Storch vielleicht? Nein, auch kein Storch (Ciconia ciconia) … Es war unverkennbar – eine Gans.

Ich weiß, nur ein absurder Traum.

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Kenon
Mitglied

1243 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 17.12.2020 um 23:32 Uhr

Sehr kompakt: Hier ist nichts zu viel, nichts zu wenig. Sehr kreativ. Ich habe es gern gelesen. Ich würde sogar sagen, es ist einer Deiner besten Texte, die ich kenne.

Die Pandemie stört unseren Schlaf. Ich träume intensiv, fürcherliches Zeug, jede Nacht.

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ArnoAbendschoen
Mitglied

634 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 18.12.2020 um 10:36 Uhr

Danke, Kenon. Ich verdanke der Musik dabei viel. Musik hören, das regt zu Assoziationen an und schärft das Formgefühl.

Leider sind zwei Ungenauigkeiten im Text enthalten, die ich hier nicht selbst berichtigen kann. In Absatz 3 müsste es heißen: " ... unbeirrt fort und der Chor respondierte:" usw. In Absatz 4 entsprechend: " ... nur noch eben als Begleitgesang:" usw.

Übrigens ging es mir primär nicht um die Person von Frau Weidel, sondern um einen Typ von Bürger und Politiker und dessen mit verfälschenden Zitaten gestützte Argumentation. Sie wollen einen scharfen Gegensatz zwischen Sicherheit und Freiheit sehen und berufen sich gern auf Benjamin Franklin. Das von ihm immer wieder angeführte Zitat wird auf Deutsch in aller Regel stark verkürzt und sinnentstellend gebraucht. Außerdem passt es ohnehin seinem Ursprung nach nicht in diesen Kontext.

Bei mir ging die lästige Dauerträumerei im Spätwinter los, die Träume sind aber neuerdings nicht mehr so bedrückend.

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Kenon
Mitglied

1243 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.12.2020 um 23:54 Uhr

Hallo Arno,

Beiträge kann man hier im Forum nur eine bestimmte Zeit nach dem Abschicken verändern, ich weiss allerdings nicht mehr, ob nun 10 Minuten oder 1 Stunde; das hatte damals, als hier deutlich mehr los war, durchaus seine Berechtigung gehabt. Du kannst mir gern den korrigierten Text (am besten den ganzen) an die info-Email im Seitenfuß schicken, dann ersetze ich ihn.

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