Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

 
Der Träumer
Autor: Wolfgang Hengstmann · Rubrik:
Lyrik


Im flirrenden Licht lag das Tal von Fergana

Das wilde, das schöne, das stolze Fergana

Mein Auge schaute weit übers Tal von Fergana

Die Kuppeln, die Mauern, das Land von Fergana

Ich selbst lebte einst am Hof von Fergana


Die Sonne steht tief am Himmel und ihre Wärme tut meinem gebeugten, ausgemergelten Körper wohl. Endlich habe ich es geschafft, nur zwei oder drei Stunden Weges noch und ich bin wieder daheim.Daheim, dort unten im Tal von Fergana? Zwanzig Jahre ist es jetzt her, das uns das Schicksal davon spülte. Davon spülte auf einer Woge des Hasses, des Blutes, des Todes. Wenige außer mir haben überlebt. Und ich habe mich oft gefragt, wieso gerade ich am Leben geblieben bin. Ich wäre gern mit tausend Qualen gestorben, wenn es das Leben meiner Liebsten bedeutet hätte.


Der Jüngling, der Träumer, das Licht von Fergana

Die Jahre die schwanden, das Glück es verging

Die Flucht aus dem schönen Fergana


Ich war damals gerade auf einer weitläufigen Reise und führte Verhandlungen mit mehreren unserer tributpflichtigen Fürsten, als mich die Nachricht erreichte. Ein getreuer Bote hatte als einer der letzten noch die Flucht aus Fergana geschafft und das grauenvolle berichtet. Bittere Tränen erfüllten mein Antlitz und auch heute noch, nach all den Jahren sind meine Augen nicht trocken.


Und heut liegt der Tod überm Tal von Fergana

Die Kuppeln, die Mauern, die Städte verweht

Als Leichentuch deckt der Sand heut Fergana

Das reiche, das schöne, das stolze Fergana


Der Feind überrollte mit Windeseile die Reiche und ich floh gramgebeugt mal hierhin, mal dorthin. Ein einstmals stolzer Aar, dem man die Flügel gestutzt hatte konnte nicht wehmütiger sein. Ich fasste mein Schwert und mit ein paar wenigen getreuen Gefährten meiner Gefolgschaft versetzten wir dem Feind Nadelstiche wo immer wir ihn fassen konnten. Aber es war, als wenn eine kleine Biene einen großen wilden Bären stach. Oftmals, wenn ich an den Feuern der Steppennomaden saß und ihren Geschichten lauschte, hörte ich einen singen von Fergana.


Kein Leben mehr drunt im Tal von Fergana

seit Blut dort den Boden gedüngt

Die Menschen an Feuern besingen Fergana

Die Mythen, die Lieder, den Traum von Fergana


Jetzt da auch der Feind einem anderen weichen mußte, lenkte die Sehnsucht meine Schritte wieder der Heimat zu. Still schaute ich über das Tal, sah den Wind mit dem Sand spielen, sah wie die Dattelpalmen sich ehrfurchtsvoll vor ihm neigten, und meine Augen sahen nichts.


Mit Sehnsucht im Blick und im Kopf nur die Trauer

gedenk ich der Zeiten zurück

als Stolz war in mir, und Liebe und Glück

dort drunt einst im Tal von Fergana


Mühsam erhob ich mich von meinem Teppich, nachdem ich ein stilles Gebet gesprochen hatte, und schlurfte hinunter ins Tal. Wenigstens sterben wollte ich dort unten in Fergana, wenn schon ein Leben mir dort nicht vergönnt war.


Einstell-Datum: 2007-03-18

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

Dieser Text wurde noch von niemandem bewertet.

 

Kommentare


Zu diesem Objekt sind noch keine Kommentare vorhanden.

Um einen Kommentar zu diesem Text schreiben zu können, loggen Sie sich bitte ein!

Noch kein Mitglied bei versalia?



Vorheriger Text zurück zur Artikelübersicht Nächster Text


Lesen Sie andere Texte unserer Autoren:
Auf und davon · Klare Erkenntnis · Bildbeschreibung ·

Weitere Texte aus folgenden Kategorien wählen:
Anekdoten · Aphorismen · Erotik · Erzählungen · Experimente · Fabeln · Humor & Satire · Kolumne · Kurzgeschichten · Lyrik · Phantastik · Philosophie · Pressemitteilungen · Reiseberichte · Sonstiges · Übersetzungen ·

Aus unseren Buchrezensionen


Warte, warte - wo willst du hin?Sakai, Komako:
Warte, warte - wo willst du hin?
Gerade hat es wohl laufen gelernt, das kleine Kind in Komako Kasais neuem Bilderbuch. Im Garten wohl erkundet es die Welt. Und es sieht einen gelben Schmetterling und will ihn fangen. Doch: „warte, warte, wo willst du hin?“ denkt das Kind und der Schmetterling ist weg. Ähnlich ergeht es ihm mit der kleinen Eidechse, eine Taube und [...]

-> Rezension lesen


 Der Erste Weltkrieg: Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss in VersaillesVinke, Hermann:
Der Erste Weltkrieg: Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss in Versailles
Hermann Vinke, ein 1940 geborener ehemaliger Journalist hat in den vergangeben Jahren seines Ruhestandes eine Fülle von guten und wertvollen Sachbüchern für Jugendliche geschrieben zu Themen der Geschichte und Gegenwart. Mit vielen Preisen bedacht, ist es ihm ein besonderes Anliegen, der jüngeren Generation einen Bezug zur eigenen [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?


Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2020 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.012227 sek.