Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Thomas Brasch - Was ich mir wünsche. Gedichte aus Liebe
Buchinformation
Brasch, Thomas - Was ich mir wünsche. Gedichte aus Liebe bestellen
Brasch, Thomas:
Was ich mir wünsche.
Gedichte aus Liebe

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Der vorliegende Band ist aus dem Nachlass erschienen und wird mit einer Reihe unveröffentlichter Schätze ergänzt. In dem Band stehen aber auch Gedichte, die Brasch eigenständig und zu Lebzeiten publiziert hat. Der Dichter, Dramatiker, Filmschaffende und Übersetzer Thomas Brasch (1945–2001) gilt als herausragende Figur der neuen deutschen Literatur, da er noch in beiden Deutschlands arbeitete, schrieb und sogar inszenierte. Am 19. Februar 2025 wäre Brasch 80 Jahre alt geworden.

"Gedichte aus Liebe" - so der Untertitel - meine viel mehr als Liebesgedichte, schreibt Thomas Wild im Nachwort. Braschs Gedichte würden eine Haltung des Wünschens zum Ausdruck bringen, aber auch des Fürchtens, des Hoffens und Verzweifelns, des Schaffens und Zerstörens, beides "in Liebe und im Ringen um einen poetischen Begriff der Gegenwart". Brasch, der nur 56 Jahre alt wurde, veröffentlichte zu Lebzeiten nur einen Bruchteil seiner Gedichte. Einige erschienen anfangs noch in der DDR, dann im selbstgewählten Exil. In der BRD eroberte er sich mit Stücken wie Rotter, Lovely Rita oder Mercedes ein neues Publikum, Kinofilme folgten. Shakespeare und Tschechow übersetzte und überarbeitete er und wird mit Preisen überhäuft. Aber welchen Ort hat die Liebe in der Arbeit eines so vielseitigen Künstlers, lautet dann die berechtigte Frage von Thomas Wild im Nachwort.

Der vorliegende Band versammelt dichterische Texte, die zu Lebzeiten oder posthum erschienen. Darunter etwa "Anna" das er im Gefängnis geschrieben hatte, wo er sich befand, weil er Flugblätter gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verteilt hatte.Für Brasch sei dieser Name der Inbegriff des rätselhaft Schönen, Anziehenden, Unnahbaren. Sie sei nicht nur Palindrom, sondern auch Anagramm, schreibt Wild treffend, Anna und Nana.Aber auch Gedichte aus Liebe über die Abwesenheit von Liebe finden sich in der vorliegenden Sammlung: Einsamkeit, Schmerz, Angst, Verzweiflung, Trauer, Bitternis und Wut. All das gehört untrennbar zu dem Themenbereich Liebe. Als Kadettenschüler schrieb er einmal folgende Worte: "In den Stunden vor der Abfahrt ins Internat legte ich eine Glasglocke um mein Herz und hörte die Sätze meiner Mutter und meines Bruders, die von Liebe sprachen, wie durch eine Wand. Ich wollte nicht, dass sie mich erreichen, weil sie mich zerstört hätten." Wer liebt, muss sich eben auch schützen, gegen die Verwundungen der Liebe, die Ab- oder Anwesenheit der Liebe.


An einer Stelle reimt Brasch Unterkunft auf Vernunft, aber auch die emotionale Nähe von Liebe zu Hass wird thematisiert."Oft bist du der den ich liebe/oft bist du der, den ich hasse", aber "viel seltener jedoch", so der nachdenkliche Nachsatz, "Alles bist du". "Ich will, denke ich, dass mein Herzstein/an deinem Steinherz zerbirst", heißt es in einem anderen Gedicht. Beeindruckt habe mich persönlich vor allem folgende Zeilen: "Was ich habe, will ich nicht verlieren/Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber/wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber/die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber/die ich kenne, will ich nicht mehr sehen aber/wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber/wo ich sterbe, da will ich nicht hin:/Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin." Es stammt aus dem Zyklus „Der Papiertiger“ und wurde 1977 erstmals im Band "Kargo" bei Suhrkamp veröffentlicht. Für mich steht aber nicht das das Gedicht strukturierende "aber" im Mittelpunkt, sondern die Zeilen, die einem Vertriebenen aus der Seele sprechen.

Thomas Brasch
Was ich mir wünsche
Gedichte aus Liebe
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Thomas Wild
2025, fester Einband , 96 Seiten
ISBN: 978-3-518-22413-7
Suhrkamp Verlag
€ 18,00

[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2025-11-03)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 

Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Gedichtband Dunkelstunden
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> New Eastern Europe
> Free Tibet
> Naturschutzbund





Das Fliegende Spaghettimonster

Ukraine | Anti-Literatur | Datenschutz | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2026 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.53 erstellte diese Seite in 0.006992 sek.