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Rezensionen


 
Charles Bukowski - Jeder zahlt drauf. Stories
Buchinformation

23 Bukowski Geschichten aus den Jahren vor 1990, da dieses Buch erstmals unter dem Titel der amerikanischen Originalausgabe, „Septuagenarian Stew“, bei Black Sparrow Press, Santa Rosa erschien. Die deutsche Ausgabe wurde vom Autor um zwei Stories erweitert: Szenen einer Ehe (Erstveröffentlichung) und Nächtliche Tour (1983). Das Buch erschien auf Deutsch erstmals 1993 und lag 2019 bei der 16. Auflage, was zeigt, dass Bukowski immer noch gelesen wird. Und das obwohl er dieses Jahr schon 100 Jahre alt geworden wäre.

Bukowski schrieb nicht nur Romane und Gedichte, sondern auch Kurzgeschichten. Diese waren stark von Hemingway beeinflusst, der auch immer wieder in seinen Short Stories auftaucht. Aber auch andere Schriftsteller und natürlich Henry Chinaski, Bukowskis alter ego, sind wieder dabei. Der „Sohn des Satans“, so nannte ihn sein ihn prügelnder Vater, musste sehr früh mit dem American Way of Life Bekanntschaft machen, denn von seinen Eltern auf die Straße begann er schnell in McJobs zu arbeiten, die so anstrengend waren, dass sie einen praktisch zum Alkoholiker machen mussten. „Doch für viele Arbeiter bedeutete die Mittagspause, nicht essen, sondern runter ins `Villa´ zu gehen. (...) Manche von den Jungs schluckten Aufputschmittel, andere schluckten Beruhigungstabletten. Viele warfen beides ein und spülten es mit Bier und Ale hinunter. “ Auch die Beziehungen laufen ähnlich ab: sie sind ohne Alkohol kaum zu ertragen. Trost spendete abends höchstens ein Besuch in der Lieblingsbar: „Die Kneipe war immer da. Sie war sein Ankerplatz, sein einziger Hafen. Sie verzieh nichts, aber sie war auch nicht ungerecht.

Harry, ein weiteres alter ego des Autors, hasst Friseurläden: „Dieses abschließende Drehen des Stuhls, diese Spiegel – ein Augenblick in dem er nichts als Entsetzen fühlte.“ Er macht oft die Erfahrung, dass ihm Konversation nicht besonders liegt und daß die anderen sich um so besser fühlten, je weniger er sagte. Aber es gibt auch Männer, die sich gegen ihr Schicksal erheben. Etwa in „Die Rache der Verdammten“, in der der Penner Tom und Max ein Heer von Obdachlosen in ein Einkaufszentrum führt, um dieses zu zerstören. Aber alles was ihnen am Ende bleibt, ist eine Flasche Muskateller. In einer anderen Geschichte geht es um die Minderwertigkeitskomplexe eines Jockeys gegenüber seiner Frau. Bei einem seiner sonntäglichen Ausflüge zur Pferderennbahn taucht ein gewisser Henry Baroyan auf, ebenfalls Schriftsteller, der feststellt, dass man über weiße Amerikaner alles schreiben darf, nur nicht über Minderheiten. Man hatte ihnen den ganzen „Quatsch“ von wegen Demokratie und Aufstiegschancen erzählt, um sie davon abzuhalten, den Palast niederzubrennen. „Die Sklaverei war nicht abgeschafft, sie hatte neun Zehntel der Bevölkerung erfaßt. Überall.“ In „Solzimer“ gibt es einem Mann, der verschwinden kann, wenn er diesen seinen Namen laut sagt. Aber auch John Marlowe spielt eine Rolle in einer von Buks Geschichten.

Boxer, Komiker und Killer bevölkern die Short Stories des amerikanischen Albtraums und vielen spricht Bukowski aus der Seele, wenn er schreibt: „An manchen Tagen kommt es mir vor, als wäre ich allein auf der Welt. An andern Tagen bin ich mir sicher.“ Charles Bukowskis lakonischer Humor wurde von Carl Weissner kongenial ins Deutsche übersetzt. 1994 starb der Autor und hinterließ einen respektablen Nachlaß. Die hier veröffentlichten Geschichten gehören zu den letzten, die vor seinem Tod das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Über Bukowski wurden bereits Filme gedreht und er war noch zu Lebzeiten zum Kultautor aufgestiegen.

Charles Bukowski
Jeder zahlt drauf. Stories
Deutsch von Carl Weissner
ISBN: 978-3-423-11991-7
10,90.-€
dtv

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2020-08-04)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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