Carlos Castaneda - Die Lehren des Don Juan. Ein Yaqui-Weg des Wissen
Buchinformation
"Wie die Zauberer es beschrieben, ist unser Leben aus dem Unendlichen hervorgegangen, und es endet dort, wie es angefangen hat: im Unendlichen.", schreibt der Autor im Vorwort zur Erstveröffentlichung vor 30 Jahren für die vorliegende Ausgabe.
Eine kognitive Revolution
Das Streben von Schamanen wie Don Juan, Yaqui-Indianer Mexikos, sei es, selbst ein anorganisches Wesen zu werden, also Energie, die ihrer selbst bewusst ist und als kohärente Einheit funktioniert, jedoch ohne Organismus. Diese Art der Kognition sei die absolute Freiheit, ein Zustand, in dem das Bewusstsein frei von den Zwängen der Sozialisation und der Syntax existiere, so die Lehre Don Juans, die Carlos Castaneda ungeschminkt in seinem zweiten Werk, "Die Lehren des Don Juan", wiedergibt. "Nichts in seiner Welt ist ein Geschenk", schreibt er über "Mescalito", "was immer es zu lernen gebe, sei auf dem schwierigen Wege zu lernen". Mescalito ist die personifizierte Peyote-Pflanze, die einem erscheint, wenn man die Früchte des Kaktus konsumiert hat. "Mescalito verlangt eine sehr ernsthafte Absicht", unterstreicht sein Lehrer Don Juan, als er den Erzähler einweiht. Denn die Bitterkeit, die der Peyote hinterlässt kann zwar mit Tequila besänftigt werden, rührt aber doch der eigenen Selbstverliebtheit. "Du beschäftigst dich zu sehr mit dir selbst. Das ist der Haken", meint Don Juan und auf die Erwiderung was man denn sonst tun könne antwortet er in all seiner Weisheit: "Suche und sieh die Wunder um dich herum. Die wirst es müde werden, dich nur selbst anzusehen und diese Müdigkeit wird dich für alles blind und taub machen".
Die Freundschaft der Eidechsen
Als erstrebenswert hingegen gilt es, ein Wissender zu werden. Aber auf diesem Weg gibt es viele Feinde. Mindestens vier. Da wäre einmal die Furcht, die Klarheit, die Macht und dann noch das Alter. "Dieser Feind ist der grausamste von allen, er ist der, den er nicht völlig schlagen, sondern nur bekämpfen kann", so Don Juan. Um zum Wissen zu gelangen gibt es viele Wege. Aber wichtig ist, dass man den wählt, der Freude macht und ein Weg des Herzens ist. Dabei sei es auch wichtig, die Freundschaft der Eidechsen zu erwerben. "Das nächste Mal mußt du sorgfältig zuhören. Ich bin sicher, dass die Eidechsen dir viele, viele Dinge gesagt haben, aber du hast nicht zugehört." Aber wenn das "Yerba del Diablo" dich einmal beherrscht, dann gibt es nur mehr einen Weg: ihren Weg. Deswegen muss man die Abhängigkeit meiden und seine eigenen Lieder singen und nicht die der anderen, empfiehlt Don Juan. "Ohne die Weisheit der Eidechsen wäre ich wahnsinnig", hält er fest, um ihn dann in ein anderes Ritual einzuweihen, das Ritual der Krähe. Carlos Castaneda stoßt in eine bis dahin völlig unbekannte Sphäre vor, die Wirkungsweise pflanzlicher Rauschgifte, die den Indigenas seit Jahrhunderten vertraut sind. Die Kontrolle über seine vielfältigen und verwirrenden Empfindungen zu bewahren und seine Erlebnisse im Gedächtnis zu bewahren, um sie, in der Form eines Tagebuches aufzuschreiben und so der Wissenschaft einen Weg in ein noch weitgehend unbekanntes Gebiet zu eröffnen war das Verdienst von Carlos Castaneda, der 1998 verstarb.
Weitere Bücher von Carlos Castaneda, die ebenfalls beim Fischer Verlag erschienen sind, werden am besten in folgender Reihenfolge gelesen: Zur Einführung "Das Wirken der Unendlichkeit" und dann "Die Lehren des Don Juan", "Eine andere Wirklichkeit", "Reise nach Ixtlan", "Der Ring der Kraft", "Der zweite Ring der Kraft", "Die Kunst des Pirschens", "Das Feuer von innen", "Die Kraft der Stille" und zum Schluss "Die Kunst des Träumens" und "Tensegrity".
Carlos Castaneda
Die Lehren des Don Juan
Ein Yaqui-Weg des Wissens
1973/2024, Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-596-21457-0
FISCHER Taschenbuch
14,00 €
[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2025-08-04)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.