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Literaturforum:
Mairübchen machen schön

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Autor
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Thema: Mairübchen machen schön
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 271 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 06.05.2025 um 09:13 Uhr |
Fliederweiße Dolden hat der Gewitterregen abgeprasselt:
da liegen sie strahlend, und Schnecken versuchen sich an ihnen.
Unangeboten haben wir eingekauft; wir sparen, indem wir nicht sparen.
An Bootslacks Odeur berausche ich mich, und frag unseren Gartentisch: wie der glänzt jetzt.
Nicht perfekt, doch immerhin fertiggeworden. Ihr kritisch deutender Zeigefinger:
«Du hast mal wieder zu dick aufgetragen.»
«Besser, als zu feste auf den Busch geklopft, so wie der Regen beim Flieder.»
Den Rasen habe ich auch gemäht, auch wenn ich dabei oft an Bartleby denken muss.
Ich mach´s ja dann halt doch immer. Das ist wohl diese Geschichte mit den Überwindungsfähigkeiten:
man will nicht wirklich, weiß jedoch, man muss.
Beim Schreiben anders: ich könnte jederzeit,
hab aber oft keine Lust drauf. Immer dieses Rumgeformuliere.
Dann mähe ich lieber Rasen, lackiere Holzmöbel, lasse die Gedanken verloren ziehen.
Abends aßen wir was mit Mairübchen und Kartoffeln.
Mairübchen machen schön
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 09.06.2025 um 14:06 Uhr |
Wenn ich mehr Zeit dafür hätte, würde ich vielleicht auch weniger schreiben.
Man erreicht ja häufig das Gegenteil von dem, was man ursprünglich beabsichtigt hat, so habe ich beispielsweise vor einigen Monaten meinen 10 Jahre alten Computer ersetzt, weil er nicht mehr gut genug für den Einsatz als Musikstudio war. Nun laufen alle Berechnungen superschnell, ich kann ungeheuer viele Spuren aufnehmen, aber ich habe fast immer andere Dinge zu tun …
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 271 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 2. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 10.06.2025 um 05:31 Uhr |
Zitat:
Wenn ich mehr Zeit dafür hätte, würde ich vielleicht auch weniger schreiben. Das trifft es, und ich wusste es eigentlich schon immer: jetzt, Rentner, schreibe ich eigentlich nur noch Kurzes hie und da. Meine zehn Bücher seit 2002 sind/waren vermutlich neurotische, kathartische, verzweifelte Auswürfe eines Gehetzten, zwischen familiären und beruflichen Verpflichtungen. Haben also ihren therapeutischen Zweck erfüllt. Dafür lasse ich sie stehen und betrachte sie liebevoll. - Und ja, seit ich vermeintlich mehr Zeit habe, habe ich keine Zeit für nix mehr irgendwie. Und das Gefühl, jetzt 63, dass mir die Zeit davonrennt, alles noch zu tun, was ich gerne noch täte. Verzettelungsgefahr!
Mairübchen machen schön
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| 3. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 10.06.2025 um 09:10 Uhr |
Zitat:
Meine zehn Bücher seit 2002 sind/waren vermutlich neurotische, kathartische, verzweifelte Auswürfe eines Gehetzten, zwischen familiären und beruflichen Verpflichtungen. Haben also ihren therapeutischen Zweck erfüllt.
Das kann ich gut nachvollziehen. Gerade in den ersten Jahren meines Angestelltendaseins war die Literatur für mich ein Ausgleich, in dem ich mir immer wieder neu beweisen konnte, dass ich mehr war als das, worauf mich mein Job reduzierte – obwohl ich ja eigentlich wusste, dass das nicht alles ist, was mich ausmacht. Ich erarbeitete mir frische Gewissheiten.
Heute spielen diese Gedanken nur noch eine kleine Nebenrolle.
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MilaRogers
Mitglied
 2 Forenbeiträge seit dem 27.06.2026
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| 4. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 27.06.2026 um 08:32 Uhr |
Spannender Faden, weil er genau diesen Übergang zwischen Tun, Denken und „Zeit haben“ beschreibt, der sich offenbar bei vielen irgendwann verschiebt. Besonders der Satz mit dem „mehr Zeit haben und trotzdem keine Zeit für nichts“ trifft da einen Punkt, den man oft erst merkt, wenn der äußere Druck wegfällt.
Bei mir entsteht dabei auch der Eindruck, dass Schreiben oder kreative Arbeit oft weniger eine Frage der verfügbaren Zeit ist, sondern eher eine Frage von innerem Druck oder Notwendigkeit. Sobald dieser Druck weg ist, wird es paradoxerweise schwerer, obwohl objektiv mehr Raum da wäre.
Vielleicht ist genau diese Spannung zwischen Verpflichtung und Freiheit der eigentliche Motor gewesen, und wenn die wegfällt, muss man erst neu herausfinden, warum man etwas überhaupt noch macht.
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 271 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 5. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 27.06.2026 um 11:06 Uhr |
Hallo MilaRogers. Komplettes Ja zu jedem Wort. :) So ist es (bei mir gewesen).
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Anderthalb Jahre nach Job-Exitus: das Schreiben ist noch da. Allerdings inzwischen völlig anders als früher. Gelassener, langsamer, freudiger, "schöner", vielleicht. Spannend jedenfalls zu beobachten, wie es mit einem selbst so von Lebensphasen zu Lebensphasen weitergeht. Grüße.
Mairübchen machen schön
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MilaRogers
Mitglied
 2 Forenbeiträge seit dem 27.06.2026
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| 6. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 28.06.2026 um 02:14 Uhr |
Zitat:Spannender Faden, weil er genau diesen Übergang zwischen Tun, Denken und „Zeit haben“ beschreibt, der sich offenbar bei vielen irgendwann verschiebt. Besonders der Satz mit dem „mehr Zeit haben und trotzdem keine Zeit für nichts“ trifft da einen Punkt, den man oft erst merkt, wenn der äußere Druck wegfällt.
Bei mir entsteht dabei auch der Eindruck, dass Schreiben oder kreative Arbeit oft weniger eine Frage der verfügbaren Zeit ist, sondern eher eine Frage von innerem Druck oder Notwendigkeit. Viele optionen machen nalu casino besonders casinonalu.de attraktiv. Sobald dieser Druck weg ist, wird es paradoxerweise schwerer, obwohl objektiv mehr Raum da wäre.
Vielleicht ist genau diese Spannung zwischen Verpflichtung und Freiheit der eigentliche Motor gewesen, und wenn die wegfällt, muss man erst neu herausfinden, warum man etwas überhaupt noch macht. Das klingt nach einer dieser leisen Verschiebungen, die man erst im Rückblick wirklich erkennt. Dieses „anders Schreiben“ wirkt fast wie eine Entkopplung von Funktion und Ergebnis: früher eher getrieben, jetzt eher beobachtend. Vielleicht verändert sich dabei nicht nur der Stil, sondern auch die innere Notwendigkeit, etwas festhalten zu müssen.
Interessant ist auch, dass mit der Gelassenheit oft nicht weniger Inhalt entsteht, sondern eher ein anderer Fokus. Dinge dürfen unvollständiger bleiben, weniger „begründet“, aber dafür unmittelbarer wirken.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Schreiben nicht mehr etwas ersetzt oder verarbeitet, sondern einfach wieder das wird, was es ursprünglich war: ein ruhiger Vorgang neben dem Leben, nicht darüber hinaus.
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Itzikuo_Peng
Mitglied
 271 Forenbeiträge seit dem 08.01.2011

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| 7. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 28.06.2026 um 04:48 Uhr |
Mairübchen machen schön
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