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Literaturforum: Eine gemeinsame Sprache


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 Thema: Eine gemeinsame Sprache
Kenon
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seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 13.09.2021 um 20:07 Uhr

Über die Gendersprache zu schreiben oder zu diskutieren ist irgendwie so müßig wie eine Grippe zu haben, und doch ist sie ein Thema, das nach wie vor die Gemüter erhitzt, um das gar ein regelrechter Kulturkrieg entbrannt ist: Zivilisation und Barbarei stehen wieder einmal einander antagonistisch gegenüber. Diese hier angesprochene Art Sprache ist durch die gesellschaftliche Präsenz, für die ihre oft fanatischen Adepten in exponierten Positionen sorgen, schwer zu ignorieren, gerade weil sie ja stören und zerstören will, was früher heil war und gut funktioniert hat. Ich selbst habe mich mit dem Thema bereits mehr beschäftigt, als mir lieb gewesen ist und viel Zeit damit verschwendet, und trotzdem drängen sich im Alltag immer neue Beobachtungen auf, die ich nicht für mich behalten kann und mag, gerade weil viele Leidende lieber still schweigen als ein Stück ihrer eigenen Haut zu riskieren, um dem sprachmaoistischen Spuk ein schnelles Ende zu bereiten, das er auf jeden Fall verdient hat.

Die gesellschaftliche Zerrüttungsmission, in der die Gendersprache unterwegs ist, treibt in Deutschland inzwischen tragische Blüten, obwohl sie nur von einer lauten Minderheit getragen wird. Grob kann man die Menschen, betrachtet man ihr Verhältnis zum ideologischen Neusprech, in drei Kategorien einordnen:

1) die Mehrheit, welche die Gendersprache als hässlich, unnütz usw. klar ablehnt;
2) mehr oder weniger geschickt agierende Wechselspieler, die sich in öffentlichen Situationen genötigt sehen, die Gendersprache zu benutzen, um von der nächsten Kategorie nicht als Schlecht-Mensch eingeordnet zu werden;
3) eine öffentlich sehr wirksame Gruppe von sich selbst so begreifenden Besser-Menschen, die ihr Sprachunding knallhart durchzuziehen versuchen (wobei sie im Übereifer immer mal wieder in das ein oder andere Fettnäpfchen tappen, Stichwörter: talibanesische Islamist*innen, Hamas-Kommandeur*innen ...), weil sie einfach an das unanzweifelbar Segenbringende ihrer fatalen Sache glauben. Ohne Straucheln können allerdings auch sie ihre unpraktische Kunstsprache nicht vertreten.

Wenn eine große Anzahl von Menschen über eine gemeinsame, einheitliche Sprache verfügt und diese benutzen kann, um miteinander auszukommen, so ist das gleichfalls auch ein großes zu bewahrendes Gut, welches der Mehrheit dient. Das Kommunizieren fällt leicht, man muss sich nicht mit lästigen, strittigen Formfragen beschäftigen und kann sich tatsächlich ganz den Inhalten widmen. Diese bisher gemeinsame, einheitliche Sprache wurde und wird aber durch die Genderfraktion mit ihrer fixen Idee, Genus und Sexus in Einklang bringen zu müssen (woran sie auch auf geradezu groteske Weise scheitert), geschickt unterminiert. Um Aussagen von Menschen genau zu begreifen, muss man heutzutage plötzlich wissen, welcher Gendersprechkategorie (1, 2, 3) sie zuzuordnen sind. Am schwierigsten ist auf jeden Fall die zweite Kategorie zu verstehen: Sie fängt beispielsweise einen Satz an, vergisst das Gendern bei einigen Bezeichnungen und beendet den Satz mit gegenderten Bezeichnungen – wohl in der Hoffnung, einmal doch vom Jüngsten Gendergericht, so es denn abgehalten wird, verschont zu werden, weil sie sich immerhin bemüht hat, die regelwidrige und unnatürliche Gendersprache zu gebrauchen. Dieses zufällige Stilstückwerk muss man dann als Zuhörer im Kopf wieder mühsam sortieren und man liegt sicherlich hier und da einmal falsch bei seiner Interpretation. Man hört vielleicht das Wort “Schülerinnen”. Sind wirklich nur weibliche Schüler gemeint? Habe ich eine Kunstpause überhört, wurde sie unabsichtlich verschluckt? Sind unter “Schülerinnen” in dem vorliegenden Fall also vielleicht auch männliche Schüler zu verstehen? Ist das Geschlecht für das Erzählte überhaupt relevant? Und worum ging es in dem Gesagten eigentlich inhaltlich? Keine Ahnung, ich habe es schon vergessen, da ich über die Genderei nachdenke, immer über diese verfluchte Genderei. Ei ei ei.

Schauen wir genau hin, lassen wir uns nichts vormachen: Letztlich heisst das heute in Deutschland praktizierte Gendern ja nur, dass das bisher allgemeinverständliche generische “Maskulinum” durch ein “generisches” Femininum (überall wird plötzlich ein -in- oder -innen-Suffix angehängt) ersetzt wird. Um diese augenscheinliche Tatsache ein wenig zu verschleiern, kommt vor dem überflüssigen und unökonomischen femininen Wortdehnsuffix noch ein typographischer Störer in Form eines Sternchens, Doppelpunkts oder Unterstrichs, in dem sich Diverse widergespiegelt sehen sollen … Heute dies, morgen das, jeder macht es, wie er will (Ärzt:innen, Ärzt*innen, Ärzt_innen). Das neuartige “generische” Femininum soll dann also, weil es das generische “Maskulinum” und oft das Maskulinum selbst eliminiert (wo ist der Arzt in Ärzt:innen, Ärzt*innen, Ärzt_innen?), für mehr Geschlechtergerechtigkeit sorgen. Juchei! Ei ei. Genaueres dazu bleibt selbstverständlich für immer im Dunkeln, weil es schlicht unsagbar, der ganze Spaß unbegründbar ist. Das generische “Maskulinum” hingegen wird von Kategorie 3 als Instrument einer diskriminierenden Sprache hingestellt, wer es benutzt, wird von den Gendersprachgläubigen als diskriminierend diskriminiert, als gestriger Schlecht-Mensch abgestempelt und verdammt.

Was hilft? Es aussitzen und hoffen, dass irgendwann alle zur Vernunft kommen, sich zutiefst errötet ihrer früheren Sprachschandtaten schämen und wieder eine gemeinsame Sprache nutzen wollen? Die Gerichte anrufen und klagen, wenn man seine Rechte verletzt sieht? Oder wenigstens dort, wo der Staat involviert ist (ÖRR, Schulen, Ämter etc.), gesetzlich Regelkonformität im Sprachgebrauch erzwingen? Ich bin mir nicht sicher, aber auf jeden Fall sollte sich die Mehrheit nicht die Sprache einer fehlgeleiteten und häufig besessenen Minderheit aufzwingen lassen. Trotz der gern aufgebauten moralischen Drohkulisse:

Die Gendersprache muss man sich nicht bieten lassen. Sie macht kaputt, sie zerstört und kann daher auch “gern weg” – besser heute noch als morgen.

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