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Forum > Lektüregespräche > November 2020
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 Thema: November 2020
Kenon
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1017 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

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Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 09.11.2020 um 23:30 Uhr

Victor Hugo - 1793

1793 ist Hugos letzter Roman. Sein geschichtlicher Hintergrund ist die Französische Revolution in der Mitte ihrer sogenannten zweiten Phase. Man lernt Robespierre, Danton und Marat als in der Literatur zum Leben erweckte Menschen kennen, deren Schatten sich unweigerlich in die damalige Zukunft, die heute längst vergangen ist, legen - und kann so auch die Leninsche Revolution mit ihrem Unterdrückungsapparat besser verstehen:

Zitat:

Die Freiheit muss mit Gewalt geschaffen werden, und jetzt ist der Augenblick gekommen, um auf eine gewisse Zeit den Despotismus der Freiheit zu organisieren, um den Despotismus der Könige zu zerschmettern!

Sie irren so oft, die Prediger der Gewalt.

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ArnoAbendschoen
Mitglied

540 Forenbeiträge
seit dem 02.05.2010

Das ist ArnoAbendschoen

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 10.11.2020 um 22:08 Uhr

Mal abgesehen von der Botschaft, der ich mich vorbehaltlos anschließen kann, wie ist denn die literarische Qualität? Von Hugo habe ich nur den Notre-Dame-Roman gelesen und ich müsste mich sehr überwinden, damit noch einmal anzufangen. Eben bei Wikipedia zu "1793" nachgeschlagen unter "Rezeption". Das liest sich ja nicht so verlockend.

Den gleichen Stoff hat später Anatole France in "Die Götter dürsten" mit ähnlicher Tendenz behandelt. Es gefiel mir bei erster Lektüre vor langer Zeit recht gut, ob heute auch noch, weiß ich nicht. Wikipedia lässt mich auch hier zweifeln:

"Der Ruhm verblasste jedoch bald, nicht zuletzt, weil France’s Protagonisten auf heutige Leser psychologisch flach und undifferenziert wirken, indem sie oft zu eindeutig das vom Autor Gewollte oder Abgelehnte repräsentieren."

Thesenbelletristik? Heute nicht mehr mein Fall.

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Kenon
Mitglied

1017 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 10.11.2020 um 23:45 Uhr

Nun, ich habe gerade einmal die Hälfte des Buches gelesen. Meine Lektüre schließt sich an “Die Elenden” an, das ja doch sehr operettenhaft geartet ist, allerdings handwerklich großartig. Für die vielen Einschübe, welche den Romanrahmen verlassen, muss man etwas Geduld mitbringen, in manchen Ausgaben hat man sie wohl auch weggeschnitten.
Flaubert kann ich im ersten Teil seiner Aussage zustimmen, wenn er über Hugo sagt:

Zitat:

Die Gabe, menschliche Wesen zu erschaffen, fehlt diesem Genie. Wenn er diese Gabe besessen hätte, hätte Hugo sogar Shakespeare übertroffen.

Shakespeare aber übertrifft natürlich niemand, selbst nicht in hypothetischen Szenarien.

Für mich ist es trotzdem keine verschenkte Zeit, Hugo zu lesen. Wenn Rolf Vollmann die melodramatischen Effekte als “furchtbar” geißelt: Die Seiten, auf denen beispielsweise die losgerissenen Kanone beschrieben werden, gehören für mich mit zum größten, was ich an Unterhaltungslektüre kenne. Es ist schlichtweg genial, mit welcher schriftstellerischen Leidenschaft und Detailtiefe Hugo diese Szene abhandelt. Eine losgerissene Kanone wird unerwartet zum Protagonisten! Was soll denn das? Ist es sein Ernst? Natürlich. Man liest von dem Geschehen, als würde man es gerade selbst erleben. Schon allein deswegen hat es sich gelohnt, das Buch zu lesen - ganz gleich, was da noch kommt.

Abgesehen von den gelegentlich auftauchenden Namensaufzählungswüsten habe ich also viel Freude an “1793”. Klar, es ist nur ein Roman und er wird ganz sicher nicht auf der Höhe der historischen Forschung sein. Wie könnte er das auch?

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Kenon
Mitglied

1017 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.11.2020 um 22:06 Uhr

Vaclav Havel - The Power of the Powerless

Vaclav Havel hat den Essay “The Power of the Powerless” im Oktober 1978 im kommunistischen Tschechien verfasst, meine Ausgabe enthält ein Vorwort des Historikers Timothy Snyder, das Fäden von Havels Text in unsere Gegenwart knüpft.
Das totalitäre Regime - von Havel zum damaligen Zeitpunkt selbst nicht mehr als totalitär eingeschätzt - konnte nicht verhindern, dass ein einzelner Mensch außerhalb der Systemgrenzen denkt und Anschluss an geistige Traditionen findet, die nach seinem Dafürhalten eigentlich ausgerottet sein sollten. Das Problem, dass sich der Machtlose einer Macht bzw. Mächten ausgesetzt sieht, ist aber ein universelles, das sich keineswegs auf die kommunistische Gesellschaftsordnung beschränkt. Wenn wir hinter die Macht schauen, geht es eigentlich um Kräfte. Unser ganzes Leben sind wir Kräften ausgesetzt, während wir selber Kräfte ausüben. Worum es geht, wenn wir ein schönes Leben für uns aber auch vor allem für andere wollen, sind schließlich gesunde Kräfteverhältnisse, Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe.

Zitat:

Because the regime is captive to its own lies, it must falsify everything. It falsifies the past. It falsifies the present, and it falsifies the future.

Volodymyr Yermolenko - Ukraine in Histories and Stories: Essays by Ukrainian Intellectuals

Der mittlerweile vierte Band in der Serie “Ukrainian Voices” mit Beiträgen von Andrej Kurkow, Jurij Andruchowytsch und vielen anderen. Die Ukraine ist ein enigmatisches Land, das einen immer wieder in Erstaunen versetzt und über das zumindest ich nicht genug lesen kann. Die Ukraine ist nicht Russland, als Nationalstaat gründet sie sich historisch auf das Kosakentum, ist gewissermaßen anarchistisch-individualistisch während die Grundidee Russlands die Leibeigenschaft ist. Falschheit, Gewalt, Expansion und Zarentum sind ihre Zutaten.

Zitat:

We, Ukrainians, are in love with Europe, Europe is in love with Russia, while Russia hates both us and Europe, but behaves differently towards us and Europe.


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